AKTUELLES

 

Veranstaltungsbericht vom 9. März 2017

 

Kommunikation Prüfarzt - Patient:
Highly Recommended!

 

Im Rahmen der ersten Veranstaltung des Jahres 2017 wurde das Thema Kommunikation zwischen Prüfarzt und Patient aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. 

 

 MG 9841akl Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde eröffnete die Veranstaltung mit dem Vortrag „Klinische Studien aus Sicht einer Facharztordination". Anhand der Erkrankung Glaukom, welche die zweithäufigste Erblindungsursache in Europa darstellt, erläuterte Dr. Hommer die Chancen sowie Herausforderungen klinische Studien im niedergelassenen Bereich durchzuführen. Da Glaukompatienten zu Beginn der Erkrankung keinen Leidensdruck verspüren, ist eine die Aufklärung über die Langzeitfolgen sehr wichtig. „Zudem erfolgt die Diagnose sowie Behandlung weitestgehend im niedergelassenen Bereich, was eine langjährige Patientenbindung erfordert“, so Dr. Hommer. Hier bedarf es einer sehr guten Kommunikation, welche auf jeden Patienten individuell abgestimmt ist, mit dem Ziel eine Vertrauensbasis zu schaffen und die Compliance seitens des Patienten sicherzustellen. Gleiches gilt für die Durchführung klinischer Studien, denn nur wenn eine Vertrauensbasis vorhanden ist, sind Patienten in der Regel bereit an einer klinischen Studie teilzunehmen. Im Vergleich zu einer Klinik, an welcher die Infrastruktur zur Durchführung klinischer Studien oftmals besser ist, bietet eine Ordination den Vorteil der flacheren Hierarchie, höheren Flexibilität, geringerer Kosten und administrativer Hürden. Eine Herausforderung für die Zukunft sieht Dr. Hommer darin junge Ärzte zur Durchführung von klinischen Studien zu motivieren. Ein Grund dafür sei z.B. dass Studien aufgrund der zunehmenden Komplexität der Studienprotokolle und des administrativen Aufwands viel Zeit in Anspruch nehmen, zeitgleich durch den Personalmangel jedoch auch ein hoher Zeitdruck vorhanden ist, insbesondere an Kliniken. Hier wäre eine effizientere Zusammenarbeit der Kliniken mit dem niedergelassenen Bereich eine mögliche Lösung. 

 

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Im zweiten Vortragsblock präsentierten Frau Ulrike Holzer und Frau Mag. Dominique Sturz über die Europäische Patientenakademie (EUPATI) und die erfolgreiche Patienteninvolvierung in Forschung und Entwicklung am Beispiel des Usher-Syndroms. EUPATI ist ein europäisches Projekt  im Rahmen einer Innovative Medicines Initiative (IMI) von 33 Organisationen, das vom Europäischen Patientenforum geleitet wird, erläuterte Frau  Holzer. Es verfügt über Partnerschaften mit Patienten-organisationen, Universitäten und gemeinnützigen Organisationen sowie einer Reihe europäischer Pharmaunternehmen. Ziel des Projektes ist es, objektive und zuverlässige Informationen über medizinische Forschung und Arzneimittelentwicklung zur Verfügung zu stellen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Aus- und Weiterbildung, um Patienten zu helfen die medizinische Forschung und Entwicklung besser zu verstehen. „Dadurch werde auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient optimiert“, so Holzer. EUPATI Österreich wurde Ende 2014 mit Unterstützung der Vertreter von Pro Rare Austria, NF Kinder, der Medizinischen Universität Salzburg, Novartis und Actelion gegründet. Um Patienten auf ihrem Weg zu mehr Beteiligung zu unterstützen, stellt die EUPATI-Landesplattform wichtige Informationen und Schulungsmaterialien bereit, wie z. B. die EUPATI-Toolbox für Patientenvertreter sowie die Online-Bibliothek, die auf individuelle Schulungs- und Lernbedürfnisse angepasst werden können. Weitere Informationen über EUPATI

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 sind unt MG 9848akler folgenden Links zu  finden:  https://www.eupati.eu/de/  und  https://at.eupati.eu/. Anhand  von  persönlichen Erfahrungen mit  der seltenen Erbkrankheit  Ushersyndrom verdeutlichte Frau  Mag. Sturz die Relevanz, 

Betroffene und Ihre Angehörige durch Schulungen und Netzwerkforen zu unterstützen und sie in die medizinische Forschung und Entwicklung einzubinden. 

 

Abschließend präsentierte Frau Mag. Andrea Heckenberg von der Ethik-Kommission der Medizinischen Universität Wien zum Thema „Informed Consent Form (ICF)“, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine informierte Einwilligung gewährleistet ist.

 Mit der Deklaration von Helsinki hat der Weltärztebund (WMA) 1964 eine Erklärung ethischer Grundsätze für die  medizinische Forschung am Menschen entwickelt. Diese  beinhaltet u.a. die Voraussetzung der  infor MG 9859aklmierten Einwilligung, d.h. jeder  Studienteilnehmer muss zuvor angemessen  über Wesen,  Bedeutung, Tragweite sowie  Risiken einer Studie informiert und aufgeklärt  werden. Auch das  Arzneimittelgesetz (AMG,  §38/39) sowie Medizinproduktegesetz (MPG, §49/50) enthalten spezifische  Bestimmungen über die Information und Einwilligungserklärung von Studienpatienten. Aufgrund der  zunehmenden Komplexität klinischer Studien und des Bedarfs alle relevanten Aspekte einer Studie in  einer Patienteninformation und Einwilligungserklärung darzulegen, umfassen ICFs mittlerweile um die 20 Seiten und sind damit für Patienten weder verständlich noch leicht lesbar. Dies führe dazu, „dass Beanstandungen von ICFs mittlerweile die häufigsten sind, die die Ethikkommission Wien im Rahmen der Prüfung von klinischen Studien hat“, so Mag. Heckenberg. Neben dem persönlichen Gespräch zwischen Prüfarzt und Patient, spielt die schriftliche Information jedoch auch eine wichtige Rolle. Diese erlaubt es Patienten nach dem Gespräch alle relevanten Informationen in Bezug auf eine Studie noch einmal in Ruhe zu Hause nachzulesen, bevor sie die Entscheidung über eine Studienteilnahme fällen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Information verständlich und leicht lesbar ist, gegebenenfalls sogar in unterschiedlichen Sprachen verfasst wird. Um Antragsteller bei der Erstellung eines ICF zu unterstützen, andererseits die vorgegebene Struktur sicherzustellen, haben die Ethikkommissionen in Österreich Leitlinien und Muster-ICFs auf ihren Webseiten zur Verfügung gestellt. Nähere Informationen sind unter folgenden Links zu finden: www.ethikkommission.meduniwien.ac.at  und www.ethikkomissionen.at .

Dr. Anke Beselin, GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 15. September 2016

 

 

Krisenmanagement im Rahmen von Klinischen Studien

 

Diese Veranstaltung war einem Thema gewidmet, von dem jeder, der mit klinischen Prüfungen zu tun hat, hofft, dass es für ihn selber nie „zum Thema“ wird. 
Aber natürlich kommt es bei jedem größeren Projekt, und klinische Studien sind da keine Ausnahme, immer wieder zu kleineren, manchmal auch größeren Problemen – ob sich daraus dann eine tatsächliche Krise entwickelt, hängt von den genauen Umständen des „Problems“ ab, aber auch ganz besonders davon, wie sich die Betroffenen in so einer Situation verhalten und wie sie kommunizieren.
So katastrophale Ereignisse wie Anfang diesen Jahres, als ein Proband in einer Phase 1 Studie verstarb und mehrere weitere schwer erkrankten, sind glücklicherweise die absolute Ausnahme. Gleichzeitig fordert dieser schreckliche Fall eine genaue Aufarbeitung und Abklärung, und auch Maßnahmen, um Wiederholungen vermeiden zu können.

 

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Univ.-Doz. Dr. Martin Brunner, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie und Vorsitzender der Ethik-Kommission der Medizinischen Universität Wien, zeichnete in seinem Vortrag „Tod in Phase I – vermeidbar?“ die Vorkommnisse im Jänner 2016 nach und versuchte auch Ursachen bzw. potentielle Fehler aufzuzeigen.
Zunächst muss man noch einmal weitere zehn Jahre in die Vergangenheit blicken: Im März 2006 waren bei einer Phase 1 Studie mit dem Antikörper TGN1412 vier von sechs Probanden infolge eines „Zytokin-Sturms“ lebensbedrohlich erkrankt, zum Teil mit bleibenden Schäden. In den Tierversuchen mit dieser Substanz wurden keinerlei Hinweise auf solche Reaktionen festgestellt, das Ereignis kam völlig unerwartet. Ein grundlegender „Fehler“ hatte jedoch darin bestanden, dass alle sechs Probanden zeitgleich behandelt worden waren. So konnte man beim Auftreten der Symptome beim ersten Probanden nicht mehr reagieren und die Behandlung bei den anderen aussetzen oder abbrechen.
Infolge dieses Zwischenfalls hat die EMA 2007 eine Revision der Guideline für „First in Man“-Versuche verfasst. Hier wird u.a. vorgegeben, dass bereits bei der Protokollerstellung für solche Studien detaillierte Maßnahmen zur Risikominimierung definiert werden müssen. Dazu gehört auch, dass die Therapie nach Möglichkeit sequenziell und mit einem ausreichend großen zeitlichen Abstand zwischen der Dosierung des jeweils nächsten Probanden erfolgen soll.
Über die letzten Jahre hat eine Entwicklung eingesetzt, mit dem Ziel, die Timelines der Phase 1 Studien zu optimieren. Teil dieser Entwicklung sind sog. Umbrella-Protokolle, wo in einer einzigen Studie gleich mehrere Fragestellungen geklärt werden sollen, zB Einzel- und Mehrfachdosierungen, Pharmakodynamik, Interaktion mit Nahrung etc. – die bestehende EMA Guideline kann solche Protokolle nur bedingt abbilden.
Zurück zum Jänner 2016: Bei einer Phase 1 Studie mit der Substanz BIA-10-2747 in Rennes verstarb ein zuvor gesunder Proband, drei weitere erlitten schwere neurologische Schäden. Was war passiert?
Die Substanz war in Tierversuchen sehr umfangreich getestet worden, dabei wurden keinerlei relevanten Reaktionen festgestellt, die Substanz wurde als Nicht-Hochrisiko eingestuft. Bereits 80 Probanden hatten die Substanz erhalten ohne jeglichen Hinweis auf potentielle neurologische Schädigung. Plötzlich, am Abend des Tag 5 der Mehrfachdosierung mit 50mg entwickelte ein Proband neurologische Symptome und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Am nächsten Morgen erhielten die restlichen Probanden ihre nächste Dosis der Studienmedikation, in der Folge entwickelten auch sie neurologische Symptome und wurden hospitalisiert.
Abgesehen von der Frage, ob sich dies durch ein anderes Vorgehen hätte vermeiden lassen, setzte sich Doz. Brunner in seinem Vortrag dann auch mit der Kommunikationsstrategie der betroffenen Firma und der Behörden auseinander:
Die Firma, die diese Studie in Auftrag gegeben hatte, hatte auf ihrer Homepage zunächst nur sehr nüchtern-formell reagiert, erst später nahm sie auch Bezug auf das Schicksal der Probanden. Das Universitätsspital, in dem die Probanden behandelt wurden, berichtete dagegen täglich. Die französische Behörde war auch zunächst sehr „schweigsam“, erst eine Woche nach dem Vorfall veröffentlichte sie das betreffende Studienprotokoll – allerdings erst, nachdem eine französische Tageszeitung das Protokoll ins Netz gestellt hatte. Auf der EMA Homepage gab es überhaupt keine Information. Durch diese sehr zögerliche Informationspolitik blieb lange unklar, um welches Medikament es sich gehandelt hatte – im Sinne des Schutzes anderer Probanden, die potentiell mit ähnlichen Medikamenten behandelt wurde, eine sehr problematische Situation. Gerade auch deshalb, weil Phase 1 Studien derzeit nicht in EudraCT gelistet sind und somit keine direkte Möglichkeit besteht, Details öffentlich verfügbar zu haben. – Eine erneute Revision der EMA Guideline ist schon in Arbeit.


Mag. Johannes Angerer, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Medizinische Universität Wien, befasste sich in seinem Vortrag mit dem Thema „Kommunikation in der Krise“. Die zentrale Botschaft: Vorbereitet sein ist alles!
An der Medizinischen Universität Wien wurde seit Jahren viel Aufbauarbeit investiert, um strukturell und personell auf mögliche Krisen vorbereitet zu sein, bzw. um Ereignisse möglichst gar nicht erst zu Krisen werden zu lassen.
Sehr wichtig sind hierbei definierte Eskalationsmechanismen, abgestimmt auf die Schwere des jeweiligen Ereignisses: vom relativ „harmlosen“ Vorfall über den Notfall bis hin zur veritablen Krise. Hier geht es darum im Vorfeld exakt festzulegen, welche Personenkreise jeweils zu involvieren sind und wer die Entscheidungen trifft (zB ein definiertes Krisenteam). Unterstützend gibt es Checklisten, die im Einzelfall abgearbeitet werden und helfen, nichts Relevantes zu vergessen. Und auch Dinge wie Notfallnummern, Ausweichquartiere, Backup-Internetseiten etc.
Oberste Priorität kommt der Kommunikationsarbeit selbst zu: Es muss ein zentraler Kommunikator bestimmt sein, über den jegliche Kommunikation nach außen, aber auch nach innen läuft. Diese „integrierte“ Kommunikation ist entscheidend, damit klare und widerspruchsfreie Botschaften gegeben werden können. – In einem Krisenfall ist nichts schlimmer, als wenn mehrere Personen abweichende oder gar widersprüchliche Aussagen treffen.
Ebenso höchste Bedeutung hat die Geschwindigkeit der Kommunikation. Natürlich müssen erst Fakten vorliegen, bevor kommuniziert werden kann – Spekulationen sind definitiv ein No Go. Aber zu lange warten ist ebenfalls höchst riskant, da man sonst potentiell jegliche Kontrolle über die Kommunikation / die Botschaften verliert.
In der Krisen-Prävention ist ein zentraler Punkt ein kontinuierliches „Issue Monitoring“, um Themen mit Krisenpotential schon im Vorfeld zu erkennen und zu beobachten. Ganz entscheidend ist auch, dass alle Mitarbeiter ein Bewusstsein für diese Thematik entwickeln und auch informiert sind, an wen sie sich im Fall des Falles wenden müssen. Ergänzt wird das durch „Übungen“ wie ein Krisentraining bzw. eine Krisensimulation.
Generell geht es hier auch um ein ständiges Lernen und Optimieren der Abläufe: von der sog. kommunikativen Vermeidung einer Krise, über die Früherkennung, die Bewältigung und ganz besonders auch um die Nachbearbeitung.
Als positives Beispiel für eine erfolgreiche Krisenkommunikation verwies Mag. Angerer auf die Ereignisse in München vor einigen Monaten und auf die Kommunikationsstrategie der Münchner Polizei. Es gab eine kontinuierliche proaktive und sehr transparente Kommunikation über verschiedene Kanäle inklusive Twitter, sogar in mehreren Sprachen. Auf diesem Weg konnte die Öffentlichkeit sehr umfassend und zeitnah informiert werden. Auch wenn sich im Nachhinein herausstellte, dass einige der Informationen letztlich nicht korrekt waren, so war das im Umfeld der potentiell großen Gefährdung definitiv besser als zu lange abzuwarten. Ebenfalls positiv beurteilt wurde die Rolle des Pressesprechers der Polizei als zentraler Kommunikator, der durch sein Auftreten stets klare und konsistente Aussagen übermittelte. Gerade bei solchen Ereignissen ist es auch wichtig, neben den Fakten eine Anteilnahme mit den Betroffenen bzw. Opfern auszudrücken. Und es ist von zentraler Bedeutung, selbst einen persönlichen Kontakt zu den Betroffenen und Angehörigen herzustellen bzw. ihnen eine Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Dieser Fall führte letztlich zu einem starken Imagegewinn für die Münchner Polizei.

 

Ernst Mauritz vom Kurier, Ressort Lebensart, stv. Ressortleiter, befasste sich in seinem Vortrag mit dem Thema „Krisenmanagement: Die Sicht der Medien“.
Es gibt ja den berühmten Spruch, nur eine schlechte Nachricht sei eine gute Schlagzeile. Aber gilt das auch für Qualitätsjournalismus?
Am Beispiel der Phase 1 Studie des ersten Vortrages erklärte Ernst Mauritz den Ablauf: Wenn so eine „Schlagzeile“ hereinkommt, geht es als erstes darum, weitere Hintergrundinformationen zu erhalten. Typische Ansprechpartner für medizinische Themen sind die Pressestellen / die Pressesprecher der Medizinischen Universität bzw. auch der AGES sowie der medizinischen Fachgesellschaften, um über diesen Weg Kontakt zu Experten herzustellen und deren Einschätzung zu erhalten. Je nach Situation werden auch involvierte Firmen um Stellungnahme gebeten oder auch Patientenselbsthilfegruppen. Der Zeitfaktor spielt auch hier wieder eine wichtige Rolle.
Aus Sicht der Medien ist es bei der Berichterstattung auch relevant, wie viele Personen von dem jeweiligen Ereignis betroffen sind oder sein könnten und natürlich die Frage, ob ein konkretes Risiko für einzelne Personen besteht (zB fehlerhafte Brustimplantate oder Gelenksprothesen). Und es geht auch darum, die potentiell Betroffenen mit ausreichend Information zu versorgen, ihre wichtigsten Fragen zu beantworten und ihnen auch zu vermitteln, an wen sie sich wenden können.
Aus dem Publikum kam die Frage, welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse es denn in die Schlagzeilen schaffen (also abseits von Krisen etc): Hier bieten sich speziell Themen an, die viele Menschen entweder selbst betreffen oder Themen, die praktische Relevanz haben und sich umsetzen lassen, Stichwort Ernährung, Bewegung, Schlaf etc.
Aber natürlich auch dann, wenn es um neue Behandlungsoptionen für schwerwiegende Erkrankungen geht wie bei Krebs. Gerade hier hat eine ausgewogene Berichterstattung oberste Priorität. Es muss eine differenzierte Darstellung geben, die das Thema von allen Seiten beleuchtet und glaubwürdig informiert. Zentral ist es dabei, die Erwartungshaltung der Leser auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Und sei es nur aus Selbstschutz, um nachfolgende Anruflawinen beim Verlag zu vermeiden.
Und ein Problem teilen die Medien mit jedem einzelnen von uns: die stetig wachsende Informationsflut und der gleichzeitig zunehmende Zeitdruck. Hier die Balance zu halten, auch im Sinne des Hinterfragens der Qualität der Information, ist für alle gleichermaßen eine Herausforderung.

 

Dr. Sylvia Nanz, GPMed

 

 

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Veranstaltungsbericht vom 9. Juni 2016

 

 

Registries und Real World Evidence - aber wie?

 

Am 9. Juni 2016 fand eine Veranstaltung zu diesem sehr aktuellen und relevanten Thema statt. Neben klinischen Prüfungen der Phasen I-IV sind Real World Evidence Studien nicht mehr aus der klinischen Studien-Landschaft wegzudenken. Über das Thema wird viel geredet und geschrieben, allerdings fehlt es sehr oft an Know How um diese Studien ordentlich zu planen oder auch nur richtig zu interpretieren.

 

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Die Sicht der Industrie

 

Dr. Christian Baumgartner, Medical Director Bayer Austria GmbH, Vizepräsident der GPMed Österreich, betonte dass die Google Suche von „Real World Evidence“ (RWE) zwar fast 200.000 Ergebnisse bringt, allerdings findet sich selbst auf Wikipedia keine Definition von „Real World Evidence“ oder „Real World Data“. Allgemein kann man Daten als gesammelte Informationen/Fakten definieren, wohingegen der Begriff „Evidenz“  als die (subjektive) Interpretation von Daten um eine Behauptung zu untermauern zu sehen ist.

Zum Unterschied zu einem klassischen „randomized, controlled clinical trial“ (RCT), der möglichst wenig dem Zufall überlässt um Evidenz mit hoher Validität zu generieren, dafür  aber potentiell möglicherweise in einem künstlichen Setting läuft, hat ein Real Life/Real World Setting den Anspruch, die Realität im klinischen Behandlungsalltag eher darzustellen. RWE Studien werden von pharmazeutische Unternehmen entweder selber, meist als PASS bzw. NIS, durchgeführt oder als unabhängige Forschungsvorhaben unterstützt.

Die Vorteile von RWE vs. RCT liegen auf der Hand: Kosteneffizienz durch weniger Intervention und mehr Routine, raschere Abwicklung (z.B. durch retrospektive Analyse),

“REAL LIFE” – setting durch geringere Patientenselektion und üblicherweise nicht-interventionellen Charakter. Die große Gefahr bei der Interpretation von Daten aus RWE Studien ist, dass nicht jede Korrelation in einer retrospektiven Analyse kausal zusammenhängend ist, auch wenn es so aussehen mag. Post Hoc könnte man hunderte Dinge auswerten und verwerfen – publiziert wird letztlich nur eine Sicht der Daten.

Grundsätzlich ist daher große Vorsicht bei der Planung einer RWE Studie und bei der  Interpretation der Auswertungen geboten. Dabei sollte man sehr kritisch hinterfragen, ob es einen Bias gibt und wie dieser zustande gekommen ist? Haben unterschiedliche „Befüller“ der Datenbank auf Basis derselben Vorgaben agiert und die Daten entsprechend eingetragen? Sind die statistischen Methoden solide? Wie umfassend sind Analysen und Interpretationen? Die „eine“ gültige Methodik zur Generierung von „Real World Evidence“ gibt es nicht – vielmehr ist von einem Methodikbaukasten auszugehen:retrospektiv oder prospektiv - interventionell, nicht-interventionell, klinisch, Biobank, „Big Data“ – Register, Audit oder Studie, alle Mischformen sind möglich. Bei allen „Settings“ ist selbstverständlich immer der gesetzlich vorgegebene Rahmen (Arzneimittelgesetz, Medizinproduktegesetz, Datenschutz, Einverständnis durch Patienten etc.) zu beachten und entsprechend umzusetzen.

Randomisierte, kontrollierte klinische Studien werden in der Arzneimittelforschung das Maß aller Dinge bleiben. Bei sorgfältiger Planung, soliden statistische Überlegungen, korrekter Datengenerierung und vorsichtiger Analyse und Interpretation hat RWE jedenfalls einen Nutzen bei der (kontinuierlichen) Prüfung der Langzeitsicherheit einer medizinischen Intervention als Ergänzung zur Routine-Pharmakovigilanz.

Aber auch in der Versorgungsforschung, im Qualitätsmanagement im Krankenhaus

und zur Abgrenzung alternativer Behandlungsmöglichkeiten in Abwesenheit von Head-to-Head Trials haben RWE Studien einen Nutzen und auch einen nicht unerheblichen Wert bei Entscheidungen in den Bereichen Erstattung, Gesundheitsökonomie und “Public Health”.

 

Sicht der Behörde:

 

Dr. Ilona Reischl, Abteilungsleiterin Klinische Prüfung bei der AGES Medizinmarktaufsichtstellte fest, dass der Begriff „Register“ weder im EU Recht noch im Arzneimittelgesetz oder Medizinproduktegesetz eigenständig definiert ist, was deren regulatorische Beurteilung schwierig bis unmöglich macht. Wenn Arzneimittelgesetz- (AMG) oder Medizinproduktegesetz- (MPG) Inhalte betroffen sind, kann es sich nicht um ein Register handeln. Ein Projekt als „Register“ zu bezeichnen ist keine „carte blanche“ zur Umgehung der AMG- (Klinische Prüfung, NIS) bzw. MPG-(Klinische Prüfung nach §40) Anforderungen. Werden in einem Projekt Daten zu einem Arzneimittel systematisch ausgewertet, fällt das Projekt bzw. der Teilaspekt unter das AMG - entweder als NIS gemäß §2a Abs.3 AMG idgF oder – wenn die Kriterien nicht erfüllt sind (z.B. Off-Label Use) – als Klinische Prüfungen gemäß §2a Abs.1 AMG idgF.

Wenn die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) eine PASS (Post Authorization Safety Study) anordnet, dann kann das eine Klinische Prüfung, NIS oder auch etwas anderes sein. Eine PASS per se ist keine regulatorische Einstufung. Sollte die PASS den NIS Kriterien entsprechen aber zusätzlich die systematische Erhebung zu Safety Daten von Off-label use im Beobachtungsplan verlangt sein (Verschreibungspraxis ist OK), kann das derzeit in Österreich nicht genehmigt werden.

Die Definition einer NIS lt. EU-Gesetz wird in Zukunft per Ausschluß sein: „a clinical study other than a clinical trial“, die NIS-Verordnung wird daher entsprechend angepasst werden.

Von einem krankheitsbezogenem Register kann gesprochen werden, wenn folgende Punkte zutreffen: alle Patienten werden erfasst, bei denen eine bestimmte Erkrankung oder bestimmte Phasen einer Erkrankung vorliegen. Auch eine breite Erfassung von gesundheitsbezogenen Daten, auch unterschiedlicher Formen der Behandlung inklusive der medikamentösen Behandlung (Verschreibungsverhalten) ist möglich. Studienspezifischen Maßnahmen oder Eingriffe in die Routinebehandlung finden nicht statt. Zielsetzung und Auswertungsplan des Forschungsvorhabens lassen es glaubhaft („übergeordnetes Ziel der Untersuchung?“) erscheinen, dass es dabei nicht um die systematische Untersuchung von Arzneimitteln im Sinne einer Klinischen Prüfung oder NIS geht. Dabei besteht keine Meldepflicht an das BASG. Eine zusätzliche Erfassung von z.B. Sicherheitsaspekten eines bestimmten Arzneimittels wäre als „Substudie“ vom Register zu trennen und im Sinne des AMG durchzuführen (NIS).

Werden Wirksamkeits- und/oder Sicherheitsdaten zu einem zugelassenen Arzneimittel erhoben, handelt es sich also um eine meldepflichtige NIS. Bei retrospektiven Studien besteht keine Meldepflicht, wenn die Summe aller Maßnahmen in der Vergangenheit liegt. Das Arzneimittel muss im Rahmen der NIS nicht verabreicht werden (z.B. Long-term Follow up). Allerdings kann das meist nur case-by-case (nach Review des Protokolls) entschieden werden. Eine Erhebung der Verschreibungspraxis fällt nicht unter das AMG.

Sind Medizinprodukte von der systematischen Auswertung im Sinne des §3 Abs. 2 MPG betroffen, ist (für diese Teilziele) das MPG anzuwenden - entweder nicht-meldepflichtige Klinische Prüfung gemäß § 40 Abs. 5 MPG idgF oder wenn die Kriterien nicht erfüllt sind (z.B. Anwendung außerhalb der Zweckbestimmung) – genehmigungspflichtige Klinische Prüfungen (§4 0 Abs. 2 MPG idgF).

Vor Abschluss der Konformitätsbewertung können Medizinprodukte nur in Klinischer Prüfung eingesetzt werden (Ausnahme Sonderbestimmungen). Voraussetzung für eine nicht-meldepflichtige MPG § 40.5. Studie ist die vollständige Konformitätsbewertung, ein

Register kann kein Ersatz für die notwendige Klinische Prüfung sein.

Bei einem „Register“ durch eine Herstellerfirma oder wenn nur wenige oder einzelne Therapien erfasst werden oder zusätzliche diagnostische Maßnahmen durchgeführt werden, handelt es sich wahrscheinlich um AMG-Studien. Genauso bei der Erfassung

von Indikationen, die vornehmlich im Off-Label-Use (AMG) oder außerhalb der Zweckbestimmung (MPG) behandelt werden oder wo Teilnehmer aus Klinischen Prüfungen eingeschlossen werden sollen.

 

Sicht von akademischen Forschern

 

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang R. Sperr von der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, Universitätsklinik f. Innere Medizin I, Wien, beleuchtete in seinem Vortrag „Aufbau und Planung eines Registers anhand von Beispielen“.

Primäres Ziel war die Erstellung einer Datenbank, die eine fundierte Beantwortung von Fragestellungen ermöglicht: Erfassung des Verlaufes von Erkrankungen und/oder Zustandsbilder, Gewinn neuer Erkenntnisse, Qualitätssicherung, Beschreibung epidemiologischer Zusammenhänge/Unterschiede, Erhebung von prognostischen Faktoren, Evaluierung der Wirksamkeit erfasster (geänderter) Maßnahmen, Medikamente, Vorsorgeuntersuchungen, Medizinische Maßnahmen (Prophylaxen, Hygienestandards, …..), Evaluation und Monitoring der Patientensicherheit (NIS), Unterstützung klinischer Forschung, Ökonomische Evaluation.

Die Vorzüge eines Registers sind ein nahezu komplettes Bild einer Population, Darstellung der Effektivität im Versorgungsalltag, eine hohe Patientenzahl mit Basisdaten kann erreicht und heterogene Studienpopulationen können erfasst werden. Weiters ist

ein direkter Vergleich zur Bewertung des Nutzens verschiedener Therapieformen möglich sowie eine Nutzung als QM-Tool für Benchmarking in Langzeitbeobachtung.

Folgende Limitationen stehen nach Ansicht des Forschers den Vorzügen gegenüber: Registerdaten haben oft einen regionalen Bezug und die Übertragbarkeit muss geprüft werden. Qualität der Datensätze, „Reporting Bias“, Art der Datenerhebung, Vollständigkeit, Plausibilität und Aktualität können ebenfalls limitierend sein. Register können als oft nicht-randomisierte Vergleichsstudien im Regelfall nur Anhaltspunkte auf den Nutzen oder Schaden von Interventionen liefern.

Anhand von 2 praktischen Beispielen wurde demonstriert, wie Register aufgebaut und betrieben werden können. Ein Register für Masotzytose wurde als Beispiel 1 beschrieben.

Bei der Mastozytose kommt es zu einer verstärkte Proliferation und pathologischen Akkumulation von Mastzellen in einem oder mehreren Organen. Die Verlaufsform der Erkrankung ist unterschiedlich und kann sehr aggressiv sein. Als zweites Beispiel wurde die Erstellung und Betreibung eines Registers für 2 Formen des myelodysplastischen Syndroms (ICUS bzw. IDUS) beschrieben.

Wichtig ist zunächst eine genaue Planung und Beschreibung der einzuschließenden Population (Ein- und Ausschlußkriterien, WHO-Definition etc.). Welche Fragestellungen sollen beantwortet werden, was sind primäre bzw. sekundäre Endpunkte (z.B. Progression, prognostische Faktoren, Überleben)? Zu klären ist, ob prospektiv (ideal) oder retrospektiv (schlechter, Daten oft unvollständig) oder prospektiv und retrospektiv (günstig bei großen Populationen mit langer Beobachtungszeit) vorgegangen werden soll.

Einzutragende Parameter und deren genaues Format sind zu bestimmen. Besteht die Möglichkeit, andere Zentren zu inkludieren und ist eine vielleicht sehr lange Laufzeit nötig? Weiters ist abzuklären, wie die Datenbank zu erstellen ist (lokal, webbasiert etc.) und wie die Finanzierung (ev. auch Eingabeteam erforderlich) erfolgen soll. Vor dem „Go Live“ ist unbedingt eine Testphase erforderlich. Die Entwicklungsrichtung muss festgelegt werden (z.B. auch Vorstellung der Datenbank bei anderen Zentren, wie werden Entscheidungen gemeinsam getroffen, wer darf publizieren, wer sind die Autoren), bei Inkludierung von anderen Zentren ist eine genaue vertragliche Regelung erforderlich.

Dr. Karine Sargsyan, Scientific Director of BioPersMed, Leiterin der Biobank Medizinische Universität Graz, hielt einen Vortrag zum Thema Biobanken. Allgemein kann festgestellt werden, dass Biobanken die Basis für die personalisierte Medizin darstellen. Historisch betrachtet gibt es bereits seit 1811 ein Dekret der Studien-Hofkommission zur „Errichtung und Erhaltung anatomisch-pathologischer Cabinette“.

Der Begriff „Biobank“ kann als strukturierte Sammlung von biologischen Materialien und assoziierten klinischen Daten definiert werden. Bei der Erstellung einer Biobank ist eine Ethikkommission zu involvieren, biologische Materialien und entsprechende Daten von gesunden Probanden und Patienten können nach deren Zustimmung aufgenommen werden. Biobanken haben eine eigene Infrastruktur und Analyseplattformen. Sie werden nicht nur für die Entwicklungen im Rahmen personalisierter Medizin eingesetzt sondern auch für Grundlagenforschung, für die Entwicklung von Biomarkern, für die Arzneimittelentwicklung aber auch für Fragestellungen im Bereich „Public Health“.

Bei der Abfrage von geeigneten Materialien für ein Forschungsprojekt wird immer weiter eingeschränkt bis die geeigneten Proben und Daten gefunden sind (das kann bei speziellen Fragestellungen auch länger dauern).

In anderen europäischen Ländern sind zahlreiche Register bereits etabliert (z.B. Schweden: Register für Malformationen, Krebs, Diabetes uvm). Aus epidemiologischer Sicht bieten diese Register in Kombination mit Biobanken einzigartige Forschungsmöglichkeiten. Bei bestimmten wissenschaftlichen Fragestellungen können longitudinale Registerdaten mit Auswertungen aus Biobanken kombiniert werden und so qualitativ hochwertige Antworten liefern. Dazu ein Beispiel aus Österreich: durch Verknüpfung des „Psoriasis Registry Austria“ der Med Uni Graz mit Proben soll der Weg zur personalisierten Medizin geebnet werden.

Die Biobank Graz ist seit 2007 Teil der Forschungsinfrastruktur der Med Uni Graz und stellt der biomedizinischen Forschung biologische Proben und assoziierte Daten bereit.

Knapp über 20 Mitarbeiter verwalten 100 000 Kryoproben, 6 Millionen Paraffinproben und 1.5 Millionen Flüssigproben. Es gibt eine Zusammenarbeit (Kohorten) mit 25 verschiedenen Kooperationspartnern. Sie ist in der europäischen Biobanken-Landschaft die Größte.

Dabei bestehen folgende Zielsetzungen: Sammelstrategie (querschnitts- und krankheitsspezifisch)  für retro- und prospektive Studien, Gewährung von Transparenz und Datenschutz, Wahrung von Qualität-Standards für Proben/Datensammlung und deren Harmonisierung innerhalb des Biobanken-Netzwerks.


Dr. Johannes Pleiner, GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 17. März 2016

 

 

Entwicklung topischer Arzneimittel

 

 

Wie läuft die Entwicklung topischer Arzneimittel ab? Folgen die Prozesse dem gleichen Schema wie bei systemischen Therapien? Aber wie ist das dann mit pharmakodynamischen bzw. pharmakokinetischen Untersuchungen? – All diese Fragen waren Thema einer Veranstaltung der GPMed am 17. März 2015 in Wien.

 

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Dr. Ernst Kriehuber, M.D., Director Translational Research, Novartis Institutes for BioMedical Research Basel, Schweiz eröffnete die Veranstaltung mit einem Vortrag zur präklinischen Entwicklung topischer Pharmaka – und zwar mit einem Schwerpunkt auf Dermatologika.

Warum sind topische Arzneimittel überhaupt interessant? Für den Patienten scheinen die Vorteile klar auf der Hand zu liegen: eine lokale Anwendung bringt den Wirkstoff direkt an den „Ort des Geschehens“ und vermeidet systemische Wirkungen. Auf der anderen Seite haben gerade viele dermatologische Erkrankungen auch systemische Manifestationen (z.B. Psoriasis oder atopische Dermatitis) – und diese können mit einer lokal auf die Haut applizierten Therapie natürlich nicht mitbehandelt werden.

Generell eignen sich topische Therapien primär bei leichteren bis mittelgradigen Erkrankungen – natürlich nur dann, wenn der Pathomechanismus der Erkrankung tatsächlich in der Haut lokalisiert ist, und da vorzugsweise in den oberen Hautschichten. Denn die wichtigste Limitation für Dermatologika ist die epidermale Barriere.

Die Haut ist physiologischerweise als sehr wirksame Barriere aufgebaut. Ihr hoher Lipidanteil schirmt ab vor Pathogenen und Allergenen und verhindert einen unerwünschten Wasserverlust. Genau diese Barrierefunktion ist das wichtige Hindernis für lokal applizierte Wirkstoffe und bestimmt damit auch ihre Eigenschaften: lipophil, mit Molekulargrößen im Bereich von 400 – 500 kD. Nur mit diesen Eigenschaften kann der Wirkstoff in die Haut penetrieren.

Folglich ist eine der ersten Fragen bei der Entwicklung eines neuen Wirkstoffes für die topische Applikation der Nachweis einer ausreichenden Penetration. Zusätzlich wird das Ausmaß der Permeation bestimmt, also die systemische Resorption des Wirkstoffes, die Grundlage für unerwünschte systemische Nebenwirkungen sein kann. Weitere Parameter sind Untersuchungen in Hinblick auf lokale Irritationen sowie das allergene Potential, hier speziell die Typ IV Hypersensitivität (Spätreaktion). Und natürlich muss die pharmakologische Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Für diese Untersuchungen gibt es spezifische Testverfahren, die jedoch meist eine devitalisierte Haut als Basis haben – und allein das schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die tatsächlichen Effekte am Patienten ein – ebenso wie die Tatsache, dass Penetration und Permeation Unterschiede zwischen gesunder und erkrankter Haut zeigen.

Ein Nachweis des pharmakodynamischen bzw. pharmakokinetischen Verhaltens von topisch applizierten Wirkstoffen stellt ebenfalls eine besondere Herausforderung dar. Die Messung von Wirkstoffspiegeln direkt in der Haut ist zwar möglich, deckt aber eben nur einen kleinen Teilaspekt ab.

Eine weitere Herausforderung ist die Entwicklung der Formulierung, in der der Wirkstoff schließlich angewendet werden soll. In der Präklinik wird zunächst mit einer experimentellen Lösung gestartet, für klinische Studien wird dann eine sog. clinical service form eingesetzt, und für das marktfähige Produkt müssen dann noch zusätzliche Anforderungen wie z.B. kosmetisch akzeptables Aussehen und eine Haltbarkeit von mindestens zwei Jahren erfüllt sein. Da gerade die spezifische Formulierung einen wesentlichen Einfluss auf Penetration und damit die Wirksamkeit hat, sind diese Übergänge sehr kritisch in Hinblick auf konsistente Effekte.

 

Dr. Christine Bangert, Universitätsklinik für Dermatologie Wien, gab mit ihrem Vortrag zu den  speziellen Anforderungen an topische Dermatologika einen noch tieferen Einblick in die Thematik rund um Galenik und Formulierungsbestandteile und deren klinischer Bedeutung.

Für die topische Anwendung kommen grundsätzlich drei verschiedene Ansätze zur Anwendung: Fett, Feststoffe und Flüssigkeit. Aus diesen Grundstoffen werden die verschiedenen Lokaltherapeutika wie Pasten, Schüttelmixturen bzw. Salben, Creme und Lotionen hergestellt.

Die jeweils „richtige“ Grundlage wird von der Art der Erkrankung bestimmt und trägt entscheidend zum Behandlungserfolg bei. Durch die Auswahl einer falschen Externa-Grundlage kann die Erkrankung deutlich verschlechtert werden – und zwar unabhängig von einem ggf. darin enthaltenen Wirkstoff.

Die gewählte Externe-Grundlage hat auch einen entscheidenden Einfluss auf die Freisetzung (Liberation), Penetration und Permeation des Wirkstoffes. So kann die Permeation durch eine Hydratation der Cornea verbessert werden, z.B. mit okklusiven Verbänden. Im Gegensatz dazu ist die Penetration aus einem Puder nahezu inexistent. Ebenfalls einen erheblichen Effekt auf die Penetration eines Wirkstoffes haben Lokalisation und Hautbeschaffenheit: höhere Penetration im Bereich Achsel und Genitale, ebenso in Bereichen mit entzündeter Haut im Vergleich zu gesunder.

Eine typische Erkrankung, bei der die Lokaltherapie im Vordergrund steht, ist die atopische Dermatitis. Ausgelöst durch eine gestörte Lipidsynthese ist die Haut zu trocken, ihre Barrierefunktion ist beeinträchtigt. Allergene können eindringen und komplexe Immunreaktionen auslösen. Basistherapeutika müssen somit die trockene Haut feucht und geschmeidig halten, um damit ihre Schutzfunktion zu verbessern. Zusätzlich kommen antiinflammatorisch wirkende Substanzen zum Einsatz.

Generell ist die Immunantwort der Haut unter zwei verschiedenen Aspekten zu betrachten: Einerseits die allergischen Reaktionen, die zu einer „unerwünschten“, überschießenden Entzündungsreaktion führen. Andererseits gibt es die „erwünschte“ Immunantwort der Haut auf maligne Veränderungen. Letzteres macht man sich z.B. bei der Behandlung des oberflächlichen Basalzellkarzinoms zunutze. Durch spezielle Wirkstoffe kann die Immunantwort stimuliert werden: dies reicht von einer Ausschüttung proinflammatorischer Substanzen aus aktivierten Mastzellen und nachfolgender Zytolyse von Tumorzellen bis hin zu einer Verstärkung der Apoptose von Tumorzellen und damit zur vollständigen Zerstörung des Tumors.

Neben der großen Bedeutung der gewählten Externa-Grundlage auf den Behandlungserfolg gibt es aber noch andere wichtige Faktoren. Ein typisches Beispiel sind äußere Einflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit – Schwankungen der Krankheitsaktivität und damit der Symptomatik im Zusammenhang mit der Jahreszeit sind ein bekanntes Phänomen. Leider werden solche Aspekte gerade bei großen multizentrischen Studien oft außer Acht gelassen.

 

Prof. Dr. Bernhard Fischer, Geschäftsführer APEPTICO Forschung und Entwicklung GmbH, Wien, widmete sich in seinem Vortrag zur Entwicklung von inhalativen Medikamenten am Beispiel von AP301 zur Behandlung des Lungenödems bei ARDS-Patienten den speziellen Herausforderungen im Setting inhalativer Therapien.

Ein zentraler Aspekt bei der Entwicklung inhalativer Therapien ist die Partikelgröße der Substanzen – eine Größe zwischen 1 und 5 µm ist Grundvoraussetzung, um eine Deposition in den Alveolen zu erzielen. Sobald ein Aerosol mit der richtigen Partikelgröße hergestellt werden kann, beginnen die präklinischen Untersuchungen. Neben den Standardparametern wie Toxizität, kanzerogenes und teratogenes Potential, Effekte auf Fertilität etc. müssen bei inhalativen Agentien insbesondere auch die Effekte in der Lunge (respiratorische Funktion und lokale Verträglichkeit) sowie kardiovaskuläre Parameter erhoben werden.

Ein weiterer Schwerpunkt für inhalative Therapeutika ist die Entwicklung und Evaluation der gewählten Applikationsform sowie des dazu gehörenden Device (Nebulizer, Dosieraerosol, Trockeninhalation). Hier sind umfassende spezifische Studien zu den Geräten erforderlich. Dieser Geräte-technische Aspekt ist ein mindestens so zentrales Forschungsthema wie die Entwicklung der eigentlichen Wirkstoffe.

Im Fall des von Prof. Fischer entwickelten Präparates kommt noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: AP301 ist ein Peptidmolekül. Und natürlich stellt sich hier die Frage, ob ein Peptid den Prozess der Aerosolherstellung überhaupt  unbeschadet überstehen und immer noch intakt und damit wirksam sein kann.

Wenn es um die Wirksamkeitsbeurteilung geht, so müssen am Übergang zwischen Tierversuch und erster Anwendung am Menschen auch die unterschiedlichen Größenverhältnisse von Lunge zu Köper zwischen Mensch und Tier beachtet werden – denn die Lungenoberfläche hat einen entscheidenden Einfluss hinsichtlich Dosis-bezogener Partikeldeposition bzw. auch –resorption. Und auch hier gibt es bei AP301 eine Besonderheit: Dieses Peptid entfaltet seine Wirkung direkt auf der Oberfläche des Alveolarepithels, indem es an einen Rezeptor auf der Oberfläche der Alveolarzellen bindet. Es findet keine Penetration in das Lungengewebe statt.  Hier nun die üblicherweise geforderten PK/PD-Daten zu erbringen, ist eine ganz spezielle Herausforderung.

 

Im letzten Vortrag der Veranstaltung, von Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Gerhard Garhöfer, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie Wien, ging es um die besonderen Herausforderungen der topischen Arzneimitteltherapie in der Ophthalmologie.

Prinzipiell erscheint das Auge geradezu ideal für eine lokale Anwendung von Arzneimitteln. Es ist  leicht zugänglich und relativ klein – der Abstand zwischen Hornhaut und der Netzhaut bzw. dem Sehnerv beträgt nur ca. 2,5 cm, andererseits sind die physiologischen Barrieren und Abwehrmechanismen eine große Hürde.

Insgesamt 90% der Therapeutika am Auge werden lokal appliziert. Während die Augenoberfläche (Hornhaut, Sklera) für eine topische Applikation leicht zugänglich ist, so ist die Vorderkammer (Wirkort der Glaukomtherapie) bereits viel schlechter zu erreichen – nur ca. 5% der Dosis erreichen überhaupt diesen Wirkort. Extrem schwierig gestaltet sich eine effiziente Behandlung des hinteren Augenabschnittes, also Glaskörper bzw. Netzhaut. Hier müssen systemische Therapien wie eine intravitreale Injektion bzw. ein Implantat gewählt werden.

Eine weitere Herausforderung ist die sehr kurze Verweildauer der applizierten Substanz auf der Augenoberfläche – sie beträgt nur wenige Minuten. Durch hochvisköse Applikationsformen wie Salben kann die Verweildauer zwar deutlich verlängert werden – allerdings werden gerade Salben von den Patienten nur schlecht toleriert, da das Sehvermögen hierdurch vorübergehend beeinträchtigt wird.

Ein großer Problembereich sind Konservierungsmittel. Sie erscheinen unverzichtbar, um die Lösungen stabil und keimfrei zu halten, andererseits sind sie mit chronischen Toxizitäten assoziiert: so kann z. B. Benzalkonuimchlorid bei langfristigem Gebrauch die Hornhaut schädigen. Und ganz generell  zeigen konservierungsmittelhaltige Therapien höhere Raten an lokalen Nebenwirkungen.

Ein spezielles Thema ist die Zulassung von Generika im Bereich topischer Arzneimittel am Auge. Das Standardverfahren für Generika, der Nachweis der Bioäquivalenz am Menschen, ist für topische Arzneimittel – eben wegen der fehlenden (und auch nicht erwünschten) systemischen Resorption nicht anwendbar. Eine Bioäquivalenz im Tierversuch ist nur bedingt aussagekräftig. Somit muss für eine Zulassung der Nachweis erbracht werden, dass die Formulierung des Generikums sehr ähnlich zum Originalpräparat ist. Prinzipiell können Unterschiede in vielen Bereichen vorhanden sein (pH-Wert, Viskosität, Konservierungsmittel, Zusatzstoffe, Applikationsvolumen) und potentielle Auswirkungen auf klinische Effekt und Nebenwirkungsspektrum haben. Eine Zulassung erfolgt, wenn die Formulierung des Generikums „ähnlich genug“ ist, wobei eine exakt ausformulierte Definition dieser Ähnlichkeit fehlt.

Noch völlig offen sind auch Fragen wie etwaige Auswirkungen von Kataraktoperationen auf die Wirksamkeit topisch applizierter Arzneimittel oder generell der Einfluss des Alterungsprozesses am Auge auf die Effektivität verschiedener Therapien.

 

Dr. Silvia Nanz, GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 26. November 2015

 

Klinische Studien bei Kindern:
Risiko oder Notwendigkeit?

 

 

Ziel der Veranstaltung war es, das Thema „Klinische Studien bei Kindern“ umfassend darzustellen und aus den verschiedensten Perspektiven (Pharmakologie, Prüfarzt, Zulassung, Patientensicht) zu beleuchten.

 

Univ. Doz. Dr. Martin Brunner von der MUW, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, eröffnete den Vortragsblock mit dem Thema „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“.

Abraham Jacobi, ein Pionier auf dem Gebiet der Pädiatrie, erkannte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, dass es bei der Behandlung von Kindern nicht um Dosisreduktion und die gleichen Erkrankungen wie bei Erwachsenen geht.

1937 kam in den Vereinigten Staaten das Medikament „Exelixir Sulfanilamide“ zur Behandlung von Streptokokkeninfektionen ohne präklinische oder klinische Prüfung auf den Markt. Das sirupartige Medikament hatte einen Himbeergeschmack, enthielt aber das toxische Diethylenglycol als Lösungsmittel und verursachte zahlreiche Todesfälle bei Kindern. Aufgrund dieses Vorfalls wurde bald danach der Kern des Arzneimittelrechtes in den USA verabschiedet.

Ende der Fünfzigerjahre führte die Einnahme von Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid während der Schwangerschaft zu schweren Fehlbildungen bzw. zum Fehlen von Gliedmaßen und Organen bei Neugeborenen.

1968 beklagte H.C. Shirkey mit seiner Publikation „Therapeutic Orphans“, dass es bei 80% der Medikamente kein auf wissenschaftlichen Daten basiertes „Label“ für Kinder gibt.

Auch heute noch sind für Kinder und Jugendliche verordnete Arzneimittel nur teilweise für diese Altersgruppe zugelassen - besonders viele Informationen fehlen für die Anwendung bei Neugeborenen.

Die Gründe für den Mangel an wissenschaftlichen Daten zur Anwendung von Medikamenten bei Kindern sind vielfältig: ethische Bedenken und fehlende Akzeptanz in der Öffentlichkeit sowie Probleme mit Vertrauen. Nur jeder fünfte befragte Elternteil würde das Einverständnis zur Teilnahme des Kindes an einer klinischen Studie geben, wenn der Kinderarzt danach fragen würde.

Die Tatsachen, dass es nur wenige Zentren gibt, die pädiatrische Studien durchführen können, dass die Entwicklung pädiatrischer Formulierungen herausfordernd ist sowie die Komplexität der physiologischen Entwicklung des Kindes stellen weitere Hürden dar:

  • Magen: ph von 5-7: schwache Basen (z.B. Penicillin G) haben eine höhere Bioverfügbarkeit in Frühgeborenen (FG). Schwache Säuren (z.B. Phenobarbital) sind in höherer Dosierung zu verabreichen. Auswirkungen auf den Plasmaspiegel haben auch GI-Transit sowie passiver und aktiver Transport im Dünndarm, welcher in den ersten Monaten verlangsamt sein kann.
  • Haut bzw. Lipidschutzmantel sind bei Kindern anders aufgebaut als bei Erwachsenen, wodurch es zu einer erhöhten Resorption kommt.
  • Das Gesamtkörperwasser pro kg KG nimmt mit zunehmenden Alter ab (FG: 80%, Fünfjähriger: 25 %). Die gleiche Medikamentendosis ist bei einem Säugling in einer geringeren Konzentration im Körperwasser vorhanden als beim Erwachsenen.
  • Säuglinge haben eine unreife Enzymausstattung. Die Leber ist erst nach 2-3 Wochen zur Oxygenierung und nach 3 Monaten zu

Konjugationsreaktionen (v.a. Glucuronidierung) fähig.

  • Die volle renale Funktion wird etwa ab dem 2. LJ erreicht.
  • Kleinkinder metabolisieren Arzneimittel häufig schneller als Erwachsene und benötigen höhere Dosen um vergleichbare Spiegel zu erreichen.

Bei der Dosierung von Phenobarbital sind z.B. die hepatische Clearance und das Verteilungsvolumen jeder Altersgruppe zu berücksichtigen.

In den Fünfzigerjahren kam es bei Neu- und Frühgeborenen mit

Gehirnhautentzündung nach Verabreichung von Chloramphenicol  zum „Grey-Baby-Syndrom“ (aschgrauer Hautcolorit, Zyanose, Kreislaufversagen). Die Dosisberechnung auf Basis der Erfahrung bei Erwachsenen führte zu Überdosierungen, da nicht berücksichtigt wurde, dass Metabolisierung und Elimination dieses Wirkstoffs über Leber und Niere erfolgen und die Neugeborenen hier nur limitierte Kapazitäten haben.

Publikationen zeigen, dass die Anwendung nicht zugelassener Arzneimittel (sowohl ambulant als auch stationär) deutlich häufiger zu Nebenwirkungen führt als die Anwendung zugelassener Arzneimittel.

Bei vielen Transporterproteinen auf Hepatozyten, im intestinalen Epithel und in der Niere (proximalen Tubuluszellen) sind Änderungen während der Kindesentwicklung bekannt, bei zahlreichen anderen Transporterproteinen gibt es keine Daten dazu.

Fehlende Daten über den Einsatz von Medikamenten bei Kindern können zur Verabreichung ungeeigneter Formulierungen und zu unwirksamen oder falsch dosierten Therapien bei oft unbekanntem Nebenwirkungsprofil führen.

Die empirische Extrapolation von Medikamentendaten aus klinischen Studien bei Erwachsenen (insbesondere eine empirische Dosisberechnung für Kinder) ist obsolet.

Erst die Durchführung von klinischen Studien bei Kindern und die Überprüfung der generierten Daten durch Zulassungsbehörden kann eine wirksame und sichere Anwendung von Arzneimittel in dieser Population gewährleisten.

 

Univ. Prof. Dr. Christoph Male von der MUW, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde und österreichischer Delegierter (alternate) im pädiatrischen Komitee (PDCO) der Europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde (EMA) referierte zum Thema „Pädiatrische Studien in Europa – von regulatorischen Aspekten zur Praxis“. Auch er wies darauf hin, dass eine große Anzahl von bei Kindern eingesetzten Arzneimitteln nie bei Kindern getestet wurde und auch nicht zugelassen ist.

Die Gründe dafür sind ethische Herausforderungen, mangelnde Akzeptanz in der Öffentlichkeit, schwierige Rekrutierung sowie die Tatsache, dass Studien bei Kindern komplexer, langwierig und auch teuer sind. Fehlende Erfahrungen und Infrastrukturen sowie ein geringes wirtschaftliches Potential für die Pharmaindustrie sind weitere limitierende Faktoren.

Bereits seit längerer Zeit gibt es Bemühungen dem gegenzusteuern wie zum Beispiel die WHO Essential Medicines for Children Initiative. Im Jahr 2000 wurde die ICH 11 guideline „Clinical investigation of medicinal products for the paediatric population“ fertiggestellt. Zwischen 1997 und 2012 wurden in den USA zahlreiche Gesetze mit dem Ziel, pädiatrische Studien entsprechend zu regeln und Anreize zu schaffen, verabschiedet.

Seit 2006 ist in Europa die „Paediatric Regulation – Better medicines for children“ (EC No 1901 & 1902/2006) gültig.

Bei allen Anträgen auf Neuzulassung  bzw. bei Anträgen für eine Erweiterung der Zulassung von zugelassenen Arzneimitteln ist ein „Paediatric Investigation Plan (PIP)“ vorzulegen. Mit entsprechender Begründung gibt es auch die Möglichkeit eines Aufschubs („Deferral“ – Studien bei Erwachsenen zuerst) oder eines Erlasses („Waiver“ – keine Indikation bei Kindern). Bei Arzneimitteln mit abgelaufenem Patentschutz kann optional eine „Paediatric Use Marketing Authorization (PUMA)“ angestrebt werden. Für das pädiatrische Entwicklungsprogramm  (inkl. passender Formulierung für entsprechende Altersgruppen) sind Anreize (verlängerter Patent- bzw. Datenschutz) für pharmazeutische Unternehmen vorgesehen.

Zahlreiche kollaterale Maßnahmen wurden und werden begleitend umgesetzt: kostenloser Scientific Advice bei der EMA, öffentliche Datenbank (EudraCT), verpflichtende Einreichung von vorhandenen pädiatrischen Daten, europäisches pädiatrisches Forschungsnetzwerk, Grants u.a.

Der PIP wird zwischen Antragsteller und pädiatrischem Komitee vereinbart und ist für Antragsteller und Zulassungsbehörden verpflichtend. Er beinhaltet alle Maßnahmen der pharmazeutischen Entwicklung und klinischen Prüfung eines Medikaments als Basis für die Zulassung bei Kindern: Indikationen, Darreichungsformen, Dosisfindung, Wirksamkeit, Sicherheit, Zeitplan - dieser hängt auch von Bedrohlichkeit der Erkrankung und dem Vorhandensein von Behandlungsalternativen ab.

Zur Vermeidung „unnötiger“ Studien ist es immer sehr wichtig herauszuarbeiten, welche wissenschaftliche Daten genau fehlen und inwiefern eine Extrapolation von Daten (z.B. zwischen pädiatrischen Altersgruppen) möglich ist.

Zahlreiche pädiatrische Forschungsprojekte werden von der EU gefördert. Das österreichische Kinderarzneimittelforschungsnetzwerk OKIDS wurde 2013 gegründet und ist auch Mitglied im europäischen pädiatrischen Forschungsnetzwerk (Enpr-EMA).

Sehr positiv ist anzumerken, dass die Anzahl an Studien, die auch eine pädiatrische Population einschließt, vor allem in den letzten 3 Jahren stark zugenommen hat. Seit Einführung der „Paediatric Regulation“ gibt es bereits über 80 neuzugelassene pädiatrische Arzneimittel, Indikationen bzw. Formulierungen und über 600 Arzneimittel mit neuen pädiatrischen Informationen.

Limitierende Faktoren sind die lange Dauer von pädiatrischen Entwicklungsprogrammen, methodische und praktische Schwierigkeiten sowie immer noch eine mäßige Akzeptanz bei Patienten, Eltern, Ärzten und Ethikkommissionen.

Innovative wissenschaftliche Methoden und eine aktive Beteiligung und Zusammenarbeit aller Interessensgruppen sollen die effektiven Maßnahmen, die in Europa zur Verbesserung der Medikamentenentwicklung für Kinder gesetzt wurden, weiter vorantreiben.

Die weitreichende Verfügbarkeit und Verwendung von Arzneimitteln mit einer Zulassung für Kinder wird allerdings noch viel Zeit benötigen.

 

Univ. Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der MUW, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde beleuchtetet die Thematik sehr praxisnahe aus dem Blickwinkel eines Investigators. Sein Vortrag hatte den Titel „Präventive Allergen-spezifische Immuntherapie bei Kleinkindern: eine akademische AMG – Studie“.

Seine Studie beschäftigte sich primär mit der hochrelevanten Fragestellung, ob die Durchführung einer SLIT (sublinguale Immuntherapie) bei sensibilisierten, klinisch asymptomatischen Kleinkindern (2-5 Jahre) einen präventiven Effekt auf das Auftreten von neuen oder zusätzlichen Sensibilisierungen/Allergien während der Behandlungsdauer von 2 Jahren hat.

Die Studie wurde doppelblind, randomisiert und Placebo-kontrolliert abgewickelt, Haut- und Bluttests wurden durchgeführt und die Eltern mussten ein Tagebuch führen.

Schwierig war es anfangs, ein passendes bereits zugelassene Arzneimittel zu finden. Es stellte sich die Frage, wer das Placebo herstellen kann. Ethikkommission und Kollegen mussten überzeugt werden, dass ein Placebo-Arm unbedingt erforderlich war. Abgesehen von der Finanzierung mussten auch viele Fragen zu Haftung und Versicherung geklärt werden. Strategien zur Rekrutierung, Randomisierung und Logistik wurden entwickelt.

Es ist von hoher Wichtigkeit, Eltern und auch die Gesellschaft von der Notwendigkeit solcher Studien zu überzeugen.

Am Anfang jedenfalls ist immer sicherzustellen, dass die Fragestellung auf Relevanz und Aktualität sorgfältig überprüft wird.

Trotz aller Herausforderungen sind Studien in der pädiatrischen Population durchführbar, wenn Ressourcen (auch Zeit) entsprechend geplant werden und ein engagiertes Team dahintersteht.

Die Studie wurde mittlerweile im Journal „Paediatric Allergy and Immunology“ publiziert.

 

Den vierten und letzten Vortrag „Probanden gesucht – Medizinische Studien aus der Sicht von Patienten“ hielt Fr. Anneliese Lang, Vorsitzende der Mukoviszidose Hilfe.

Bei der Cystischen Fibrose (CF) handelt es sich um eine nicht heilbare, autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung, bei der die Sekrete exokriner Drüsen zähflüssig werden, wodurch viele Organe in ihrer Funktion beeinträchtigt sind (Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm etc.).

Man kennt heute um die 2000 verschiedenen Mutationen, die zu unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankung führen. Durch intensives therapeutisches Management beträgt die Lebenserwartung heute etwa 38 Jahre.

Seit 1997 gibt es in Österreich ein Screening auf CF bei Neugeborenen. Bei positivem Ergebnis muss in einem CF-Zentrum ein Schweißtest durchgeführt werden. Nach Bestätigung der Diagnose erfolgt ein Erstgespräch mit dem Betreuungsteam und eine stationäre Erstaufnahme.

Die Eltern trifft die Diagnose völlig unvorbereitet, vor allem die Unheilbarkeit und die verkürzte Lebenserwartung stehen im Vordergrund. Natürlich werden von ihnen weiterführende Informationen gesucht, und die Frage „Wo steht die Forschung?“ verlangt dringend nach Antworten.

Großes Interesse besteht an der Entwicklung neuer, wirksamer Medikamente, an Verbesserungen bestehender Therapien und an neuen Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung.

Hier müssen die Eltern für die Kinder entscheiden, und gerade vor Studienbeginn gibt es viele Fragen: Ziel der Studie, Ein- und Ausschlusskriterien, notwendige Tests und Untersuchungen, Wechselwirkungen, Kosten, Alltag, stationäre Aufnahme und eventuelle Spätfolgen. Invasive Untersuchungen werden oft abgelehnt und Medikamentenstudien werden eher akzeptiert.

Mit der Teilnahme an einer Studie werden persönliche Hoffnungen und Erwartungen in Hinblick auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands verbunden und auch die Tatsache, dass dadurch eventuell anderen geholfen werden kann.

Gegen eine Teilnahme sprechen Ängste, nur ein Placebo zu bekommen, ein mögliches Auftreten von unerwarteten Nebenwirkungen und zusätzliche Belastungen durch Untersuchungen und Zeitaufwand.

Aufgrund des großen Wissens über die Erkrankung und das Aufklärungsgespräch über die Studie sehen die Eltern ihr Kind nicht in der Rolle eines Versuchskaninchens.

Selbsthilfegruppen sind an wissenschaftlicher Forschung interessiert und unterstützen im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Patienten wünschen sich vor allem eine hohe Transparenz, Zwischenfälle sollen offen besprochen werden, die Rekrutierung sollte ohne Druck erfolgen und es sollte auch eine offene Kommunikation über die Ergebnisse der Studien stattfinden.

 

 Dr. Christian Baumgartner, GPMed

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Veranstaltungsbericht vom 18. Juni 2015

 

Karrierechancen im Umfeld der pharmazeutischen Forschung - Universität, Behörde oder Industrie?

 

 

 

 

Diese Fortbildungsveranstaltung der GPMed hatte zum Ziel, unterschiedliche Karrieremöglichkeiten im Umfeld der pharmazeutischen Forschung aufzuzeigen. Damit sprach die Veranstaltung insbesondere angehende Ärzte an, von denen sich immer mehr mit dem Gedanken befassen, später einmal nicht als Arzt tätig zu sein.

Alternativen zum klassischen Arztberuf gibt es viele. Die ersten drei Vorträge befassten sich mit Karrierechancen im Bereich des Outsourcing, im Umfeld der Universität sowie in der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES). Zum Schluss gab es einen Einblick über die Tätigkeit einer Personalberatung, bevor als Highlight dieser Veranstaltung zum zweiten Mal der „AGES Best Inspectee Site Award“ verliehen wurde.

 

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Den Start machte Herr Dr. Klaus Fischer, CEO der Assign Clinical Research Organisation, eines mittel-großen Dienstleisters im pharmazeutischen Bereich, mit einem Überblick über die Entwicklungen im Pharmazeutischen Markt. Laut IMS-Healthdaten, ist der globale Arzneimittelmarkt weitherhin stark wachsend mit Umsätzen von 1.170-1.200 BN US$ (2012: 956 BN US$). Aufgrund der sich stetig ändernden Rahmenbedingungen mit zunehmenden Auflagen und steigenden Entwicklungskosten, stehen pharmazeutische Unternehmen jedoch gleichzeitig unter Druck Kosten einzusparen. Zudem gibt es nach wie vor das Produktivitätsproblem, d.h. nur 10% aller Moleküle werden  nach langen und kostenintensiven Studien als Medikament auf den Markt gebracht.

Als Folge haben viele pharmazeutsiche Unternehmen bereits in den letzten Jahren mit Zu-/Verkäufen bestimmter Geschäftsbereiche oder kleiner Biotech-Unternehmen, Fusionen sowie mit dem Outsourcing verschiedener Tätigkeiten/Bereiche, wie z.B. der klinischen Forschung reagiert. Seit den 1980er Jahren gibt es einen massiven Trend die Durchführung klinischer Studien an sogenannte CROs (Clinical Research Organisation) auszulagern. Im Jahr 2013 haben pharmazeutische Unternehmen darüber ca. 45% ihres R&D Budgets „outgesourct“. Derzeit gibt es weltweit ca. 1100 CROs mit einer insg. Marktgröße von 25,7 BN US$. Große internationale CROs, wie z.B Quintiles, verzeichnen beispielsweise mittlerweile eine Umsatz von >4 Mrd US $ und beschäfigen weltweit über 30.000 Mitarbeiter.

Vorteile, welche die Unternehmen im Outsourcing sehen, sind insbesondere die Schaffung von Flexibilität, “Tätigkeiten zu kaufen” anstelle Arbeitnehmer dauerhaft selber zu beschäftigen, um dadurch langfristig Resourcen einzusparen und Kosten zu reduzieren. Aber auch das „Einkaufen“ von Expertise, die im eigenen Unternehmen evt. nicht vorhanden ist, sind Anreize für ein Outsourcing-Modell.

Zum Ende seines Vortrags stellte Dr. Fischer das Unternehmen Assign sowie mögliche Tätigkeitsbereiche vor. Die Assign Clinical Research Organisation hat derzeit ca. 150 Mitarbeiter und eine Turnoverrate von etwa 5%. Die Mitarbeiterstruktur ist pyramidenförmig mit einem Senior Level an der Spitze, verschiedenen Head- und Lead-Positionen, einem mittleren Managament sowie einer breiten Basis mit Positionen wie z.B. Klinischer Monitor, Medical Writer, Statistiker, Data Manager.

Prinzipiell gibt es in allen Bereichen Jobmöglichkeiten, wobei der Einstieg für Berufsanfänger in der Regel an der Basis, sprich als Klinischer Monitor o.ä., ist. Ein Problem stellt die Tatsache dar, dass fast alle Einstiegsberufe im Bereich der Klinischen Forschung keine geschützten Berufe sind, für welche es keine spezifische Ausbildung gibt. Zumindest gibt es aber mittlerweile verschiedene Akademien und Institute, welche Fort-/Weiterbildungen im Bereich der Klinischen Forschung anbieten. Aufgrund des Anforderungsprofils sind es daher meist junge Akademiker, wie Mediziner, Pharmazeuten und Naturwissenschaftler, die sich zu diesem Schritt als „Quereinsteiger“ entscheiden. Die Skills, die bei diesen Jobs mitgebracht werden sollten, sind gute Kommunikationsfähigkeiten, einen wachen Verstand, ein Gespür für Hierarchien, die Freude am genauen Arbeiten sowie an der Administration und dem Reisen.

Im zweiten Vortrag dieser Veranstaltung sprach Herr Univ.-Prof. Dr. Michael Wolzt, Kardiologe der Uniklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien sowie Leiter des Koordinationszentrums für Klinische Studien, über die Situation der klinischen Forschung sowie über Karrieremöglichkeiten im Umfeld der Universität.

Auch Herr Prof. Wolzt beschrieb zu Beginn die Outsourcing-Strategie vieler pharmazeutischer Unternehmen in Bezug auf klinische Studien oder auch ganze Studienprogramme mit dem Ergebnis, dass den Unternehmen in diesem Bereich viel Expertise sowie Kontakt zu Ärzten verloren gegangen ist. Was die Vermarktung eines Medikamentes betrifft, verbleiben die Aktiviäten und die Expertise meist bei den Unternehmen. Auf CRO-Seite dagegen liegt zwar Expertise im Bereich der klinschen Studien vor, nachfolgende Erfahrung und Kontakte in Bezug auf die Vermarktung eines Arzneimittels bleiben dafür jedoch aus. Somit gibt es laut Prof. Wolzt eine Lücke zwischen der Entwicklung und der Vermarktung eines Medikamentes, welche gefüllt werden müsse. Wie in der nachfolgenden  Diskussion erläutert wurde, wird diese Lücke von sogenannten Scientific oder Medical Liasons gefüllt, welche in pharmazeutischen Unternehmen arbeiten und derzeit stark nachgefragt sind. Diese Mitarbeiter, oft Mediziner, Pharmakologen oder Naturwissenschaftler, bauen im Laufe der Entwicklung eines Arzneimittels Kontakte zu Ärzten auf, präsentieren Studiendaten und sind auch nach der Markteinführung erste Ansprechpartner für wissenschaftliche/medizinische Anfragen.

Was die Situation an den Universitäten betrifft, so ist es heutzutage eine Herausforderung attraktive Arbeitsplätze zu bieten, erläuterte der Kardiologe. So bekommen ca. 40% der Doktoranden weder ein Gehalt noch ein Stipendium, was einen starken Verlust an Doktoranden mit sich führt. Eine Unterstützung seitens der öffentlichen Hand oder eine Zusammenarbeit mit der Industrie sind in diesem Fall wünschenswert. Auch die Drittmittelfinanzierung gestaltet sich schwierig. Etwa nur einer von fünf Mitarbeitern kann aus diesen Mitteln bezahlt werden, die zudem meist nur kurze Zeiträume abdecken.

Für Universitätsabgänger, die keine akademische Karriere anstreben oder keine Möglichkeit haben, gibt es jedoch auch außerhalb der Universität verschiedene Möglichkeiten, wie z.B. die Gründung einer eigenen Firma, eine Tätigkeit in der Pharmaindustrie, CRO, Hauptverband, oder eine Konsulententätigkeit.

Während die Gründung einer eigenen Firma ein hohes finanzielles Risiko mit sich bringt und ohne wirtschaftliche Erfahrung meist nicht machbar ist, ist eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft für viele eine „finanziell sicherere Option“, welche aber auch Herausforderungen hat. So müssen sich Mitarbeiter den stetig ändernen Rahmenbedinungen anpassen können und sowohl häufig in Bezug auf die inhaltliche Arbeit als auch die Reisetätigkeit flexibel sein. Als Mediziner oder Naturwissenschaftler gibt es weiterhin die Möglichkeit als Gutachter beim Hauptverband zu arbeiten. Voraussetzung hierfür ist beispielsweise eine hohe Diskussionsbereitschaft, Netzwerkkompetenz und die Fähigkeit in einem Spannungsfeld zu arbeiten.

Als Fazit fasste Prof. Wolzt zusammen, dass Berufseinsteiger meist unten beginnen und danach trachten sollten sich Zusatzqualifikationen anzueignen. Insgesamt steht ein breiter Markt zur Verfügung mit diversen Aufgabenfeldern, sowohl für Generalisten wie auch Spezialisten. Informationen über Fortbildungen und Kurse in der EU sind über die Platformen „lifetrain.eu“ und „on-course.eu“ erhältlich.

Im Anschluss präsentierte Frau DI Dr. Christa Wirthumer-Hoche, Geschäftsfeldleiterin der AGES-Medizinmarktaufsicht, was ein Naturwissenschaftler in der Arzneimittelagentur machen kann.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) besteht seit 1. Juni 2002 und ist ein Unternehmen der Republik Österreich. Da die Agentur eine GmbH ist, bedeutet das auch, dass sie sich selbst finanziert. Eigentümer sind das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). Die Geschäftsfelder umfassen: Ernährungssicherung, Lebensmittelsicherheit, Medizinmarktaufsicht, öffentliche Gesundheit, Strahlenschutz, Tiergesundheit, Risikobewertung, Risikokommunikation, Wissenstransfer und Forschung. Im Rahmen des Vortrags wurde auf den Bereich der Medizinmarktaufsicht fokussiert.

Ein Großteil der Mitarbeiter hat eine akademische Ausbildung und ist aus dem Bereich Humanmedizin, Veterinärmedizin, Pharmakologie und Naturwissenschaften. Bewerber, die an einer Tätigkeit bei der AGES interessiert sind, sollten sich dessen bewusst sein, dass der Hauptteil der Arbeit zwar am Schreibtisch, jedoch eingebunden in das EU-Netzwerk stattfindet. Aufgrund der Harmonisierung vieler Bereiche in der Arzneimittelentwicklung und –überwachung auf europäischer Ebene findet ein starker Austausch mit anderen europäischen Behörden sowie mit der zentralen Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) statt. Daher sind starke Kommunikations-, Team- und Netzwerkfähigkeiten sowie die Fähigkeit komplexe Fragestellungen wissenschaftlich zu bearbeiten gefragt.

Das Leistungsspektrum der AGES ist sehr groß, d.h. vom Scientific Advise, verschiedenen Arten von Inspektionen (GMP, GCP, etc), Bewertung von klinischen Prüfungen, Arzneimittelzulassungen bis zu regulatorischen Aktivitäten, bietet die AGES alles an, sodass es dementsprechend auch eine Vielzahl an Tätigkeitsfeldern gibt.

Auch bei der EMA, welche in London lokalisiert ist und die fachliche Bewertung von Arzneimitteldossiers und die Begleitung einer Arzneimittelentwicklung koordiniert, gibt es  verschiedene Karrieremöglichkeiten.  Hierzu gehören beispielsweise Gutachtertätigkeiten  von Arzneimitteldossiers,  regulatorische Aktivitäten zur Überwachung eines Arzneimittels nach einer Markteinführung (Pharmakovigilanz) sowie die wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Erstellung von EU-Guidelines.

Im letzten Vortrag, stellte Frau Magister Birgit Wandrak die Personalberatungsagentur Mediatum und ihre Tätigkeiten vor.

Gegründet im Jahre 2001, ist Mediatum Search & Development im Bereich Life Science auf die pharmazeutische Industrie, Forschungseinrichtungen, Biotechnologie-Unternehmen, Diagnostik- und Medizintechnik-Anbieter sowie das gesamte Spektrum der Gesundheitsdienstleister im privaten oder staatlichen Umfeld sowie im Bereich Chemische Industrie fokussiert. Des Weiteren berät der Dienstleister Venture Capital-Unternehmen und Start-ups sowohl bei der Suche nach geeigneten Experten und Führungskräften als auch im Bereich der Management-Diagnostik. Mediatum arbeitet verdeckt und sieht sein Erfolgskonzept in der Qualität des Service, der Diskretion, Expertise, sowie dem individuellen Service. Das Unternehmen vefügt über mehr als 70.000 Datensätze und arbeitet mit ca. 40 Experten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, UK und den USA. „Wir schlagen eine Brücke zum Arbeitgeber sowie zum Kandidaten“, erläuterte Frau Mag. Wandrak in weiterer Folge. Während Unternehmen den Herausforderungen wie Standortrelevanz, demografischer Wandel, internationaler Wettbewerb und Arbeitgeberattraktivität gestellt sind, stehen Bewerber dem Wettbewerbsdruck gegenüber und sehen sich dem häufigen Konflikt zwischen Jobprofil und persönlichen Interessen konfrontiert.  „Es gibt kein Patentrezept für den Karriereweg“, so Frau Mag. Wandrak. Wichtig sei daher sich ein Netzwerk aufzubauen und Kontakt zu Personalberatern zu haben, die den richtigen Fokus haben und kompetent beraten und begleiten können.

Zum Schluss der Veranstaltung wurde zum zweiten Mal der „AGES Best Inspectee Site Award“ verliehen, welcher in einer Kooperation der AGES und der GPMed im Jahr 2014 entstanden ist. Die Auswahl des klinischen Prüfzentrums erfolgte durch die GPMed auf der Basis verblindeter Inspektionsberichte von der AGES. Das Zentrum, welches eine komplexe, onkologische Phase 3 Studie mit bemerkenswert hoher Qualität durchgeführt hatte und somit für den Award ausgesucht wurde, war die Abteilung für Lungenheilkunde (Pneumologie) des Allgemeinen Krankenhauses Linz, deren Leiter Herr Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht für die Verleihung anwesend war.

Die Qualitätsmerkmale der Abteilung, die zu der Auswahl des Zentrum geführt haben, wurden von Herrn DI Dr. Roland Bauer, Mitarbeiter der AGES Inspektionsabteilung,  vorgestellt. Hierzu gehörte u.a. das gut geschulte Personal, ein sehr gute Dokumentation, Organisation sowie Datenaufzeichnung, ein hohes Engagement der Mitarbeiter, regulatorische Kompetetenz, Kooperationsbereitschaft,  eine hohe Sourcedatenqualität und Reproduzierbarkeit der Daten.

„Gibt es ein Erfolgsrezept für das klinische Prüfzentrum?“ „Das gibt es nicht“ so der Leiter Doz. Lamprecht. Entscheidend ist aber wohl, dass die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team sehr gut funktioniert. So wird beispielsweise immer im Team entschieden, ob eine Studie angenommen wird oder nicht. Zudem wird auf Qualität statt auf Quantität gesetzt und stets entsprechend der vorhandenen Resourcen geplant. Beides offenkundig, aber dennoch oft vernachlässigt.

 

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Veranstaltungsbericht vom 26. März 2015
Die Behörde als Industrieberater:
von "Scientific Advice" zu "Patient Access"

 

Die Themen dieser Veranstaltung  kreisen um die Frage, wie alle Beteiligten am Entwicklungsprozess von Arzneimitteln gewährleisten können, dass den Patienten möglichst wirksame und sichere Medikamente möglichst schnell zur Verfügung stehen, denn  „das sicherste Arzneimittel, das sich kein Patient leisten kann und das zu spät zur Verfügung steht,  ist für niemanden von Nutzen“.

 

Es ist evident, dass verschiedene Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um diesem Anspruch näherzukommen. Am wichtigsten sind enge Zusammenarbeit zwischen Zulassungsbehörden und der pharmazeutischen Industrie, ein flexibler Zulassungsprozess, der einen Ausgleich zwischen der Forderung nach möglichst umfassender medizinischer Evidenz zum Zeitpunkt der Zulassung und dem Wunsch der Patienten nach baldigem Zugang zu  innovativen Therapien erlaubt,  Prozeduren unter klar definierten Bedingungen, Patienten frühzeitig den Zugang zu den neuen Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen und eine enge Kooperation zwischen Pharmaindustrie und Kostenträgern, um den Patienten eine ökonomisch leistbare Behandlung zu ermöglichen.

 

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Der erste Themenkreis: „Scientific Advice:  Wissenschaftliche Beratung in Europa durch die EMA (European Medicines Agency) und nationale Behörden“ wurde von Mag. Thomas Lang von der Medizinmarktaufsicht, einem  Geschäftsbereich der AGES (österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), behandelt. Herr Mag. Lang ist österreichischer Delegierter bei der  SWAP (Scientific Advice Working Party) der EMA. Er schilderte zuerst das Angebot und den Ablauf des Verfahrens bei der EMA.   Der Scientific Advice wird durch das für die Registrierung zuständige Committee for Medicinal Products for Human Use  (CHMP) gegeben.  Das CHMP delegiert die Abwicklung an die SWAP.

Die typischen Fragenbereiche sind Arzneimittelqualität,  Präklinik: Toxikologie, Proof of concept: in vivo/ex vivo Modelle und  die klinische Entwicklung. Zu letzterer kommen 52% der Anträge, wobei innerhalb dieses Komplexes vor allem Fragen zu Phase III (61%) und Phase II (25%) Prüfungen diskutiert werden. Von den Indikationsgebieten sind am häufigsten Anfragen zu Anti-neoplastic and immunomodulating agents gefolgt von Nervous system und Alimentary tract and metabolism vertreten.  Spezielle Gebiete  sind Parallel Advice mit der FDA (Food and Drug Administration, USA) für globale Entwicklungen und Protocol Assistance für Orphanprojekte. Insgesamt wurden im Jahre 2013 365 Anträge und follow-ups für Scientific Advice und 108 Anfragen nach Protocol Assistance bearbeitet. Hervorzuheben ist das starke Engagement von österreichischen Delegierten in der SWAP, die sich  im Jahr 2013 an der Bearbeitung von mehr als 100 Anträgen beteiligten. Dies bedeutet die zweite Stelle in der EU hinter Großbritannien. Die entscheidende Frage ist, inwieweit die Chancen  für eine erfolgreichen Zulassung durch ein Scientific Advice Verfahren gefördert wurden. Es zeigt sich, dass zwar nicht die Teilnahme per se, sehr wohl aber die Implementierung des Advices der SWAP, die Erfolgschancen erhöhten.

Das nationale Verfahren bei der AGES umfasst im Wesentlichen dieselben Fragenkreise. 2014  wurden  18 Anfragen gestellt. Die Gründe der nationalen Antragstellung sind Möglichkeit  zum Vorfühlen im EU-Raum, Nationaler Beratung durch die österreichischen Vertreter in der SWAP und Vorbereitung der Einreichung von klinischen Studien. Das Feedback der Antragsteller ist sehr positiv.

 

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Der Scientific Advice ist somit ein auf nationaler und europäischer Ebene gut eingeführtes Verfahren um die Beratung durch die Zulassungsbehörden in kritischen Fragen der Entwicklung von Arzneimitteln in Anspruch zu nehmen. Die Akzeptanz der Ratschläge erhöht die Zulassungschancen, obwohl es sich naturgemäß nur um den besten Rat zu einem bestimmten Zeitpunkt handeln kann.

 

Frau Univ.Prof. Blöchl – Daum, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Wien und Österreichische Delegierte zum Komitee für Orphan Medicinal Products (COMP) und Mitglied der SWAP der EMA sprach über „EMA Regulatorische Strategien: von adaptive Pathways bis Orphan drugs“.

Der Zielkonflikt Evidenz im Sinne möglichst kompletter Information über Nutzen/Risiko Verhältnis und Effektivität am Patienten gegenüber schnellem Zugang für Patienten mit „unmet  medical need“ wurde zum ersten Mal bei der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von AIDS (HIV Infektion) vor 30 Jahren sehr deutlich. Frau Prof. Blöchl-Daum zeigte, dass dieser Gegensatz nur durch die Einführung von „Adaptive Pathways“  (MAPPS = Medicines Adaptive Pathways to Patients ) in Form von trade offs gehandhabt werden kann. 

 

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Aufbauend auf den bisher geschaffenen Arten der Zulassung  (Normale „full“ Marketing Authorisation, Conditional Marketing Authorisation, und Zulassung unter Exceptional circumstances  bei lebensbedrohenden Erkrankungen) hat die EMA ein Pilotprojekt „Adaptive Pathways „ im März 2014 eingeführt.  Der Grundgedanke besteht darin,  entweder zunächst eine Zulassung in einer definierten Untergruppe von Patienten mit einem „high medical need“ und anschließender Ausweitung für eine größere Patientenpopulation auszusprechen oder eine Zulassung unter bestimmten Bedingungen (z.B. conditional approval) zu erteilen, die prospektiv geplant wurde und ab der durch Post Marketing Daten die Basis der Evidenz erweitert wird. Die Motive, die diesen Prozess vorantreiben, sind die Erwartungen der Patienten, die Zugang zu dringend benötigten Behandlungsmethoden wünschen, zunehmende wissenschaftliche Möglichkeiten zur Definition von Untergruppen  von Patienten („personalized medicine“), finanzieller Druck auf die Finanzierung der Gesundheitssysteme  und die steigenden Kosten der Entwicklung von Medikamenten, die durch eine frühzeitige  Zulassung kompensiert werden könnten. Die unterstützenden Faktoren sind besseres Verständnis von Krankheitsprozessen, innovative Gestaltung von klinischen Prüfungen, Möglichkeit zur Verarbeitung von großen Datenmengen von Patienten unter „real  world“ Bedingungen, Aufklärung der Patienten, dass sie mit kalkuliertem Risiko umgehen müssen und den Übergang von Vorhersage des Nutzen /Risiko Verhältnisses auf Grund der Evidenz zu einem bestimmten Zeitpunkt („magic moment“ ) zu einer kontinuierlichen Evaluierung dieses Verhältnisses über die gesamte Lebensdauer des Medikamentes.

Die Entwicklung und die Zulassung von Orphan Drugs sind eng mit dem Thema Scientific Advice verknüpft, da sehr oft Anträge für Scientific Advice und Protocol Assistance gestellt werden Zunächst muss die Kennzeichnung (designation) als Orphan Drug auf Basis der Häufigkeit (<5 auf 10.000 Einwohner) und der Schwere der Krankheit  erteilt werden. Eine Bedingung für die Bestätigung des Orphanstatus zum Zeitpunkt der Zulassung ist der „klinisch relevante Vorteil“ gegenüber den bisherigen Therapiemöglichkeiten. Dieses Verhältnis kann sich durch neue Behandlungs- möglichkeiten während der Entwicklung ändern und macht die Wahl des Designs von klinischen Prüfungen und insbesondere die Auswahl von Vergleichstherapien sehr schwierig. Frau Prof. Blöchl-Daum wies daraufhin,  dass die Kostenträger möglicherweise andere Vergleichsmedikamente  - unter Umständen noch nicht zugelassene  - verlangen.  Insgesamt ist  das Orphan Drug Programm der EMA ein großer Erfolg. Mit Januar 2015 gab es 2127 Anträge zur Kennzeichnung als Orphan Drug, 1430 Kennzeichnungen und 100 Medikamente erhielten mit der Zulassung den Status einer Orphan Drug. 

 

Eine unmittelbar praktische Frage stellt sich, wenn Patienten  Zugang zu einem neuen vielversprechenden Medikament verlangen,  das noch nicht zugelassen wurde. Das war das Thema von Herrn Dr. Stefan Kähler,  Celgene, der die Sichtweise der Pharmaindustrie zu „Pre-Approval Access to Innovative Medicines and prepare for Scientific Advice for PASS (Post authorization safety studies)  erläuterte. Zunächst schilderte Dr. Kähler die verschiedenen  Aspekte des Pre-Approval Access. Es geht um das Wohl der Patienten, die Zutritt zu potentiell lebensrettenden Medikamenten beanspruchen, die einen  bisher nicht erreichbaren medizinischen  Nutzen bringen, nachdem alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind und eine Zulassung zu spät kommt. Der Wunsch nach Pre-approval Access von Seiten der Patienten ist während der letzten Jahre stark angestiegen, da die Entwicklungsprogramme der Pharmazeutischen Firmen zunehmend öffentlich diskutiert werden,  wodurch Patienten und Angehörigen von Gesundheitsberufe immer mehr Information zur Verfügung steht. Zusätzlich hat die internationale Nachfrage zugenommen, weil ein Medikament möglicherweise in einem Land schon zugelassen ist, in anderen aber noch nicht, weil neue Medikamente in klinischen Prüfungen angewendet werden, weil Patienten in einem Land leben, in dem eine Zulassung nicht geplant ist und im Falle von Patienten, die an einer klinischen Prüfung mit dem Medikament teilgenommen haben und weiter behandelt werden möchten. Oft handelt es sich um Patienten, die schwer krank sind,  woraus sich auch öffentlicher Druck ergeben kann.  Aus diesen Szenarios ergeben sich für eine Firma verschiedene Herausforderungen:  Die Firma muss die Anwendung des Medikamentes strikt kontrollieren,  dessen Verfügbarkeit gewährleisten, ethische Grundsätze beachten, alle gesetzlichen Vorschriften in den verschiedene Ländern einhalten, ein System zur Einholung von Information über unerwünschte Nebenwirkungen und Daten zur Wirksamkeit einführen und Daten zu den insgesamt behandelten Patienten sammeln und auswerten.  Das Grundproblem zu diesem Zeitpunkt ist die relative Unsicherheit über das Nutzen/Risiko Verhältnis. Daher müssen die verfügbaren Methoden zur Eingrenzung der Unsicherheit geplant und eingesetzt werden [Risk Management Pläne, PASS (Post authorisation safety studies, PAES (Post authorization efficacy studies), Joint industry studies, Zugang zu real life data].  Zur Planung der Post Approval Studien kann ein Scientific Advice empfehlenswert sein. Dr. Kähler erläuterte die Optionen, die für einen Pre-Approval Access zur Verfügung stehen wie klinische Studien, Klinische Studien mit erweitertem Patientenzugang („treatment IND“), Compassionate use, Named Patient Programme. Die verschiedenen  Szenarios, die sich global gesehen ergeben können, sind sehr vielfältig und bedürfen einer genauen Planung, die mindestens 6 Monate vor Beginn der verschiedenen Programme initiiert werden muss,  sowie einer genauen Festlegung der Bedingungen, wann ein solches Programm beendet werden kann.

 

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Zum Abschluss der Veranstaltung nahm Priv. Doz. Dr. Robert Sauermann, Hauptverband  der Österreichischen Sozialversicherungsträger,   zum Thema: „Teaming up for value? Erste Erfahrungen aus dem „Early Dialogue“ zwischen Herstellern und Zahlern“ Stellung.  Sein Beitrag rundete die bisher dargestellten Aspekte aus der Sicht der Kostenträger ab. Dozent Sauermann ging vom Begriff Health Technology Assessment (HTA) aus und erläuterte,  dass unter dieser Bezeichnung der „Prozess der Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien mit Bezug zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung“ zu verstehen ist. Unter HTA versteht man daher das Auffinden der gesamten verfügbaren externen Evidenz zu einer medizinischen Fragestellung, Prozedur oder Verfahren und deren kritische Beurteilung. Die Bewertung hat zum Ziel eine evidenzbasierte medizinische Entscheidungsfindung zu ermöglichen um Kosteneffektivität in der Medizin sicherzustellen.

In Österreich befasst sich eine Reihe von Institutionen mit der Erstellung von HTA Gutachten, z.B. Gesundheit Österreich GmbH, Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment . Auf europäischer Ebene hat die EU Kommission beginnend 2004 die Bildung eines Netzwerks von HTA Institutionen  veranlasst, das nunmehr in Form des European Networks on HTA (EunetHTA) Gestalt angenommen hat.  In diesem Netzwerk sind von den Regierungen bestellte Organisationen aus EU- Mitgliedsstaaten , EU–Beitrittsländern , EEA und EFTA Ländern, die HTA Stellungnahmen erarbeiten, zusammengeschlossen. Dieses Netzwerk soll in koordinierter und konstanter Zusammenarbeit HTA Produkte (Assessments, methodische Richtlinien) erstellen. 2015  soll die Strategie, die Prinzipien und ein Plan zur Implementierung erstellt sein.

In Zusammenhang mit der Entwicklung von Arzneimitteln wurde in einer gemeinsamen Initiative von EunetHTA und EMA die Etablierung von „early dialogues „ zur Verbesserung der initialen Gewinnung von Evidenz gestartet.. Frühe Konsultation nicht nur der EMA sondern auch von HTA Experten auf europäischer Ebene soll den Arzneimittelentwicklern ermöglichen frühzeitig die Anforderungen der HTA Beurteiler in ihre Planung einzubeziehen und  nicht nur die Zulassung auf Basis der Frage: wirkt das Medikament und ist es sicher,  sondern  auch den Aspekt:  ist es besser als bekanntes und was ist es daher wert,  zu berücksichtigen. Auf diese Weise wird versucht die Entwicklung so zu steuern dass die Kosten der neuen Therapie sowohl der Beurteilung durch die HTA Institutionen als auch den Bedürfnissen der Hersteller entsprechen.  Den Änderungen des Zulassungsverfahrens in Form von mehr Flexibilität und der kontinuierlichen Evaluierung des Nutzen/Risiko muss auch eine Flexibilisierung der Kostenerstattung über den Lebenszyklus eines Arzneimittels entsprechen.

Zurzeit läuft ein Pilotprojekt, das einen parallelen Advice von EMA und (EunetHTA) erprobt.  Von EunetHTA wurde hierzu das SEED (Shaping European Early Dialogues) Konsortium von 14 Europäischen HTA  Anbietern,  geleitet von HAS (Haute Autorité de Santé, Frankreich) und unter Teilnahme des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger von Seiten Österreichs, eingerichtet, das bei ausgewählten Produkten einen „parallel Scientific Advice“ ermöglicht. Zu den häufigst diskutierten Fragen gehören die Punkte Studienpopulation, Vergleichsprodukte, Dauer und Höhe von Dosierung, Wahl der Endpunkte, Bildung von Subgruppen, Stratifizierungen und die Auswahl  der ökonomisch relevanten Daten. Auf Basis der Erfahrungen mit diesem Pilotprojekt wird SEED der EU Kommission Ende  2015 einen Vorschlag für ein permanentes Modell unterbreiten.

 

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Zusammengefasst zeigen die Referate die Trends in der  Weiterentwicklung der Paradigmen der Zulassung und der pharmakoökonomischen Evaluierung von einer statischen Einmalbeurteilung basierend auf möglichst umfangreicher Evidenz in Richtung eines kontinuierlichen flexiblen Prozesses über die gesamte Lebensdauer eines Arzneimittels auf.  

                                                                                                                                            Gerfried Nell, GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 27. November 2014
E-Health und Telemedizin
Chancen und neue Herausforderungen in der Klinischen Forschung

In der aktuellen Fortbildungsveranstaltung der GPMed war für alle Vortragenden eine scheinbar einfache Frage DAS zentrale Thema: „Was genau ist eigentlich Telemedizin?“ – Denn erst über eine klare Definition des Begriffes können wir uns den Aspekten der Chancen wie auch der Herausforderungen widmen. Lesen Sie im Folgenden, wie unsere Referenten an diese Aufgabe herangegangen sind.

 

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Frau Dr. Monika Ploier, Partnerin und Leiterin Medizinrecht CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte GmbH sowie Obfrau des Forschungsinstituts für Recht in der Medizin (FIRM) befasste sich in ihrem Vortrag mit den rechtlichen Aspekten und den daraus resultierenden Hürden der Telemedizin.

Gleich zu Beginn stellte Dr. Ploier klar, dass es auf Gesetzesebene keine klare Definition des Begriffes Telemedizin gibt – mit der Konsequenz, dass eine Abgrenzung zwischen zulässig bzw. unzulässig oft schwierig ist. Aus ihrer Sicht kann man Telemedizin primär mit Folgendem umschreiben: 1. Übertragung von Daten aller Art mittels Telekommunikationsmedien zu medizinischen Zwecken sowie 2. Medizinische Beratung bzw. Betreuung über Distanz. Anwendbare Rechtsgrundlagen reichen demzufolge u.a. vom Ärztegesetz, Krankenanstaltengesetz und Disziplinarrecht bis hin zu Datenschutzgesetz, Gesundheitstelematikgesetz und E-Commerce-Gesetz. Rechtliche Hürden von ärztlicher Seite sind somit insbesondere der definierte Berufssitz, die persönliche und unmittelbare Berufsausübung, die Aufklärungs- und Dokumentationspflicht sowie das Zustandekommen des Behandlungsvertrages.

 

In der Praxis ist folglich gerade die „Unmittelbarkeit“ der Behandlung ein zentrales Thema: Hierbei wird gefordert, dass sich der Arzt direkt mit dem Patienten auseinandersetzt, er muss ihn vor sich sehen und darf sich nicht ausschließlich auf die Angaben des Patienten, z.B. auf einen im Internet ausgefüllten Fragebogen, verlassen. Relevant ist dieser Aspekt auch in Hinblick auf die Aufklärungspflicht, da hier dem persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient eine zentrale Rolle zukommt. Ohne unmittelbaren Kontakt fehlt dem Arzt der persönliche Eindruck vom Patienten, Themen wie Verständnis des Erklärten, Angst, Compliance können nur schwer eingeschätzt werden.

Das Problem der fehlenden Unmittelbarkeit ist allerdings keineswegs neu – es betrifft z.B. auch eine telefonische Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Entschärft werden kann dieser Aspekt, wenn der Patient bereits von Ärzten vor Ort betreut wird und ein anderer Arzt/Spezialist für eine weiterführende Beratung per Telemedizin hinzugezogen wird. Wesentlich für den beratenden Arzt ist dann eine ausreichende Entscheidungsgrundlage - so muss z.B. eine einwandfreie Datenübermittlung gewährleistet sein (Röntgenbilder in entsprechende Qualität!), und eine nachvollziehbare Dokumentation der getroffenen Entscheidungen. - Eine vollständige Dokumentation ist allerdings auch in der „normalen“ ärztlichen Tätigkeit ein zentrales Element, wird aber leider allzu oft vernachlässigt, wie Dr. Ploier in ihrer anwaltlichen Tätigkeit immer wieder feststellen muss.

Grundsätzlich rät Dr. Ploier telemedizinisch tätigen Ärzten zu besonderer Vorsicht hinsichtlich sog. abschließender Diagnose sowie zu großer Sorgfalt im Zusammenhang mit Therapieentscheidungen. Im Zweifelsfall sollte man den Patienten einbestellen oder zu einem Kollegen/ins Spital überweisen, um haftungsrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

 

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Im anschließenden Vortrag von DDr. Alexander Hönel, MBA, PLL.M, Geschäftsführer QUALITY BY EXPERTS, wurden speziell die datenschutzrechtlichen Aspekte der Telemedizin im Zusammenhang mit klinischen Prüfungen behandelt.

Als Beispiele für Kernbereiche der Telemedizin nannte DDr. Hönel elektronische Tagebücher zur Therapieüberwachung bzw. Medikamententitration oder eine Übermittlung psychosomatischer Skalen über das Handy. Als Randbereiche seien reine Dokumentationsanwendungen zu sehen, wie z.B. elektronische Case Record Forms oder Direct Data Entry. Besondere Bedeutung kommt jedenfalls dem datenschutzrechtlichen Aspekt zu, bezogen auf den Grad der Verknüpfung der Daten mit einer identifizierbaren Person. Es muss hier zwischen direkt oder indirekt personenbezogenen Daten unterschieden werden (letzteres ist typisch für klinische Studien) oder auch anonymisierten, also definitiv  nicht auf eine Person rückführbare Informationen.

Wesentliche Voraussetzung für die Verwendung von Daten ist immer eine entsprechende Aufklärung und Einwilligung. Hierbei muss in verständlicher Sprache über den spezifischen Zweck und Umfang der Datensammlung und -anwendung informiert werden, sog. pauschale Einwilligungen sind unzulässig. Besonders wichtig ist der Aspekt der Verhältnismäßigkeit, so müssen Menge und Inhalt der Datensammlung zur jeweiligen zu untersuchenden Fragestellung passen und dürfen nicht darüber hinausgehen. Darüber hinaus darf eine Datensammlung keine schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen der Betroffenen berühren. Eine spezielle Problematik ergibt sich somit bei genetischen Untersuchungen, indem hier neben dem unmittelbar Teilnehmenden auch weitere Familienmitglieder zumindest indirekt betroffen sein können.

Abschließend weist DDr. Alexander Hönel noch einmal auf die spezifischen Verantwortungsbereich der Ärzte hin. Bei einem Abrufen bzw. Übertragen von Daten über ein Datennetz muss der Arzt die Vertraulichkeit der erhobenen bzw. übermittelten Daten gewährleisten. Der jeweilige Urheber der – elektronischen – Dokumentation (Authentizität) sowie allfällige Überarbeitungen (Revisionen) müssen eruierbar sein. Weiters sind die Integrität der Daten, die Validität (angemessene Qualität inklusive Auflösung, Farbechtheit etc.) sicherzustellen, ebenso wie die gesicherte Verfügbarkeit der Daten und der IT-Landschaft (Aufbewahrungsfristen!) und natürlich die Nutzungsfestlegung inklusive definiertem Nutzerkreis.

Der nächste Vortrag,  von Dr. Wolfgang Bonitz, Novartis Pharma GmbH, Vizepräsident GPMed Österreich, befasste sich mit dem Thema E-Health und Telemedizin – Schnittstellen zwischen Medizin und Informationstechnologie.

Auch Dr. Bonitz stellte die Frage nach der Definition von Telemedizin an den Beginn seines Referates und fand dafür eine ganz einfache und zugleich einprägsame Formulierung: „Technologie trifft Medizin“.

In der Praxis sieht er folgende drei relevante Anwendungsbereiche: Store & Forward, Remote Monitoring und Real Time Interactive Services.

Bei Store & Forward erfolgt die Datenerhebung vor Ort, also direkt am bzw. mit dem Patienten, mit anschließendem Transfer der Daten an einen anderen Ort. Ein typisches Beispiel ist die Übermittlung von MRI-Daten an einen Radiologen zur Befundung. Patient und Befundersteller müssen nicht gleichzeitig anwesend sein und es kann auf eine zentrale Expertise zurückgegriffen werden. Allerdings sieht der Befundersteller den Patienten nicht selber und muss sich somit auf eine extern erstellte Anamnese verlassen (Problem der fehlenden Unmittelbarkeit).

Bei Remote Monitoring erheben der Patient oder ein Device Daten und übermitteln sie an den Arzt (z.B. Schrittmacherdaten, Blutzuckerwerte). Diese Anwendung erspart dem Patienten Wege und kann gleichzeitig eine höhere Überwachungsdichte (tägliche Werte anstelle 1x pro Monat beim Arztbesuch) und ggf. auch eine schnellere Reaktion des Arztes (Therapieanpassung) ermöglichen. Ein wichtiger Nachteil sind jedoch mögliche Bedienungsfehler, insbesondere wenn die Daten vom Patienten manuell eingegeben werden müssen. Hier ist auch beachten, dass wir es bei vielen chronischen Erkrankungen mit älteren Patienten zu tun haben, die oft nicht ganz so „technik-affin“ sind wie die Entwickler der jeweiligen Systeme und Anwendungen.

Bei Real Time Interactive Services interagieren Arzt und Patient zeitgleich über elektronische Medien, von Tablet und Videokonferenzen bis hin zum „guten alten“ Telefon (oder heute vielleicht eher dem Handy). Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig, vom Kontakt mit dem Hausarzt bis hin zur spezialisierten Nachsorge, von  Psychotherapie bis Physiotherapie. Auch hier ist die Einsparung von Wegen – bis hin zur prinzipiellen Ermöglichung einer Betreuung bei sonst unzureichender Mobilität - ein relevanter Vorteil. Nachteile können Intrastrukturkosten und auch wieder Bedienungsfehler sein.

Auf eine scheinbar sehr einfache, aber zugleich grundsätzliche Frage von entscheidender Bedeutung bei all diesen Anwendungen weist Dr. Bonitz explizit hin: Womit schicken und empfangen wir die Daten und was müssen wir dabei beachten?

An sich ist die Antwort ganz einfach: Immer wenn diese Daten zur Diagnosestellung oder -sicherung verwendet werden, oder zur Therapieentscheidung oder -anpassung, immer dann müssen zertifizierte Tools zur Anwendung kommen. Wir befinden uns damit im Bereich der Patientenbehandlung und damit der Medical Device oder Medizinprodukte mit allen haftungsrechtlichen Konsequenzen.

Der entscheidende Punkt ist hierbei die Anwendung im Sinne einer ärztlichen Tätigkeit am Patienten: Schnell mal ein Foto mit dem Smartphone an einen Kollegen zur Befundabsicherung schicken und darauf dann die eigene ärztliche therapeutische Handlung basieren, ist definitiv keine gute Idee! – Die eigene Kondition mit einem Fitness-Tracker-App überwachen (als Life-Style-Anwendung bei einer gesunden Person), ist dagegen unproblematisch.

Dass Telemedizin an sich kein so neues Phänomen ist, belegen etliche Publikationen in diesem Bereich. Große Erfahrungen gibt es in der Psychiatrie bzw. Psychotherapie, wo einerseits Diagnosefindungen und Therapieentscheidungen, aber auch Therapiegespräche via Telefon, Tablet oder auch Videokonferenz durchgeführt werden können. Bei Diabetikern lassen sich Blutzucker sowie Insulingabe überwachen. Als erstes spezifisches „Fachgebiet“ in der Telemedizin hat sich allerdings die Teledermatologie etabliert.

Dass oft ganz pragmatische Gründe wesentlich zur Verbreitung der Telemedizin beitragen, zeigt Dr. Bonitz am Beispiel Australien auf: Dieses Land ist weltweit führend, einfach aufgrund der riesigen Entfernungen, die eine direkte persönliche Interaktion zwischen Arzt und Patient vor große Herausforderungen stellt bzw. teilweise unmöglich macht.

Im letzten Vortrag von Mag. Andreas Raffeiner, Geschäftsführer der CRO Raffeiner Studien-Monitoring, kamen schließlich die Herausforderungen der elektronischen Krankengeschichte und SDV aus der Sicht des Studienmonitors zur Sprache.

Ähnlich wie bei der generellen Gesetzeslage gibt es auch im Bereich der klinischen Prüfung bislang wenig einschlägige Bestimmungen hinsichtlich Telemedizin bzw. e-Health. Die grundsätzliche  Aufgabe des Monitors, die Quelldaten zu verifizieren (Source Data Verification – SDV), ist unabhängig davon, in welcher Form die Quelldaten vorliegen (elektronisch oder Papier). Der Monitor muss u.a. die Korrektheit und Vollständigkeit der Daten überprüfen, der Prüfarzt muss dem Monitor hierfür den Zugang zu den Quelldaten ermöglichen.

Um eine elektronische Dokumentation überhaupt als Quelldaten für eine klinische Prüfung heranziehen zu können, müssen im Vorfeld folgende Aspekte abgeklärt werden: Sind die Daten zugangsgeschützt? Gibt es einen eindeutigen Audit-Trail? Verwendung von elektronischen Unterschriften? Garantierte Datensicherung über einen ausreichenden Zeitraum? Spezifischer Zugriff auf Daten für den Studien-Monitor (eigenes Log-in)?

Spätestens bei diesem letzten Punkt beginnen meist die Probleme, wenn die Originaldaten nur in elektronischer Form vorliegen – ein selektiver Zugang des Monitors ausschließlich zu den studienrelevanten Daten innerhalb einer umfassenden elektronischen Krankenakte ist oft nur schwer oder auch gar nicht herstellbar. Einziger Ausweg ist dann oft nur die Verwendung sogenannter zertifizierter Kopien. Allerdings muss für die Erstellung dieser Kopien ein Validierungsprozess vom jeweiligen Zentrum ausgearbeitet werden, mit speziellem Augenmerk auf die Vollständigkeit der Daten. Zur Qualitätskontrolle empfehlen sich einerseits punktuelle „Spot Checks“ mit dem Originalsystem sowie jedenfalls immer Ausdrucke von überlappenden Zeiträumen, um evtl. eingegangene Daten zwischen den planmäßigen Visiten erfassen zu können.

Anschließend weist Mag. Raffeiner nochmals daraufhin, dass diese aktuellen Entwicklungen alle Beteiligten, Monitore und Prüfärzte wie auch Sponsoren und Behörden, noch vor etliche Herausforderungen stellen werden, die nur in einem gemeinsamen Lernprozess erfolgreich bewältigt werden können.

 

von Dr. Sylvia Nanz, GPMed

 

 

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Veranstaltungsbericht vom 18. September 2014 - Zu alt für Forschung? - Arzneimittelentwicklung in der Geriatrie

Das Thema ist von äußerster Aktualität.  Es  sind weltweit besondere Regelungen für die Entwicklung von Medikamenten an Kindern in Kraft. Der Gegenpol auf der Zeitachse des menschlichen Lebens, der sogenannte geriatrische Patient, hat bisher keine spezielle Beachtung in der Gesetzgebung gefunden.

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Frau Dr. Christine Druml, Vizerektorin für klinische Angelegenheiten, Medizinische Universität Wien und Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, ging auf die ethischen Aspekte der klinischen Forschung an alten Menschen ein, wobei die Altersgrenze mit 60 bis 65 Jahren nicht einheitlich definiert ist.

 

Nach wie vor beruht die Auswahl von Patienten für klinische Studien auf den Kriterien „white, single, male“. Der Grund dafür ist, dass der Nachweis  der Wirksamkeit eines Medikamentes und somit die Zulassung am leichtesten an einer möglichst homogenen Gruppe von Patienten im Alter von unter 65 Jahren  mit möglichst wenig Komorbidität zu erreichen ist. Im realen Leben werden die so entwickelten Arzneimittel allerdings von multimorbiden alten Patienten eingenommen. Daher existiert ein „gap“ zwischen der Population in den klinischen Studien und der realen Zielgruppe des Arzneimittels. Dies widerspricht dem ethischen Prinzip der Gerechtigkeit, vor allem der Verteilungsgerechtigkeit, das besagt dass die für die Forschung aufgewandten Ressourcen so eingesetzt werden sollen dass sie für die jeweilige Zielgruppe der Patienten den größtmöglichen Nutzen bringen.

 

Der geriatrische Patient ist vulnerabel, womit gemeint ist, dass diese Patienten mit dem Alter zunehmend in ihrer Autonomie und ihrer Selbstständigkeit behindert und daher potentiell nicht imstande sind ihre Interessen zu schützen. Daher sind folgende ethischen Prinzipien zu beachten:

 

Anspruch auf Selbstbestimmung des Patienten. Dieses Prinzip muss vor allem bei der Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit des Patienten berücksichtigt werden. Es kommt weniger auf den rechtlichen Status, z.B. Besachwaltung, als auf die konkrete Einsichts- und Urteilsfähigkeit an. Der Unterschied zwischen vorübergehender und dauerhafter Nichteinwilligungsfähigkeit ist deswegen wichtig weil die Einwilligung nach Wiederherstellung der Einwilligungsfähigkeit bei der dauerhaft nicht einwilligungsfähigen Person nicht möglich ist. Dies schafft ein besonderes Problem bei Studien bei denen kein individueller Nutzen sondern eher ein allgemeiner, ein Gruppennutzen, zu erwarten ist.

 

Ferner muss strikt auf das Benefizprinzip, d.h. die Vermeidung von Schaden und auf das Solidaritäts- und Fürsorgeprinzip geachtet werden um dem Anspruch des geriatrischer Patienten auf Zuwendung und Leidensminderung  zu genügen.

 

Auf praktische Aspekte bei der Klinischen Prüfung an geriatrischen Patienten ging Herr Professor Dr. Gerald Ohrenberger, Ärztlicher Leiter des Hauses der Barmherzigkeit, ein. Zunächst gab er ein Beispiel dafür, dass die geriatrischen Patienten keine homogen Population darstellen, was die Aussagekraft einer klinischen Studie sehr einschränken kann. Als Beispiel kann der HYVET Trial (Hypertension in the very elderly) dienen, der in einer Gruppe von sonst gesunden alten Menschen (> 80 Jahre) eine Reduktion der Mortalität zeigte, was sich jedoch in anderen Studien an Patienten mit schlechterem Gesundheitszustand nicht nachweisen ließ.

 

Die entscheidenden Punkte, die bei klinischen Prüfungen an geriatrischen Patienten berücksichtigt werden müssen sind die Komorbidität, die wiederum zu einer Polypharmazie führt. Diese Polypharmazie kann sowohl mit einer Überbehandlung als auch mit einer Unterbehandlung einhergehen. Dies sollte vor Beginn einer klinischen Studie mit Hilfe zur Verfügung stehender Algorithmen geklärt werden (z.B. MAI = Medication Appropriatness Index)

 

Weiters zeigen wichtige physiologische Funktionen einen altersabhängigen Trend: Abnahme der Nierenfunktion = Dosisanpassung, Abnahme der metabolischen Funktionen = achten auf Leberfunktion, relative Zunahme des Fettgewebes. Letzeres kann zu einer sarkopenischen Adipositas führen, d.h. der Patient ist zwar adipös leidet aber gleichzeitig an einer Malnutrition. Zur Beurteilung dieser Gegebenheiten stehen geeignete Methoden zur Verfügung z.B. Impedanzmessung.

 

Professor Ohrenberger schloss mit der Hoffnung, dass unter Beachtung dieser Besonderheiten schon in naher Zukunft die bisher erschreckend niedrige Rate an geriatrischen Prüfungen – EU Clinical Trials Register: 23.856 Studien gemeldet, davon 436 an geriatrischen Patienten= 1.8%;  Ethikkommission Medizinische Universität Wien 2014: von insgesamt 200 Studien 4 an geriatrischen Patienten = 2% - da nur auf Basis von klinischen Studien eine für die Behandlung ausreichende Evidenzbasis geschaffen werden kann.

 

Die volle Realität einer klinischen Prüfung an geriatrischen Patienten wurde von Univ.-Prof. Dr. Dal- Bianco, Klinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien gezeigt. Prof. Dal-Bianco schildete nicht nur die reale Durchführung einer klinischen Prüfung an geriatrischen Patienten an Hand einer Phase I Studie in Alzheimer’scher Demenz, er hatte auch einen Patienten, der an dieser Prüfung teilnimmt,  mit einer Angehörigen eingeladen. Beide, Patient und Angehöriger, schildeten ihre Sicht und waren zur Diskussion bereit. 

 

Professor Dal-Bianco schilderte in einer Tour d’Horizon den Stand der klinischen Forschung auf dem Gebiet der Alzheimer’schen Demenz, der durch viele neue Ansätze mit Akzent auf einem möglichst frühem Eingreifen in die sich über Jahrzehnte subklinisch entwickelnden pathologischen Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies wurde vor allem durch die Entwicklung von verbesserten bildgebenden Verfahren und durch die Entdeckung von Biomarkern ermöglicht.

 

Dann kam Prof. Dal-Bianco auf die praktische Durchführung einer klinischen Prüfung zu sprechen.  Eine erfolgreiche Prüfung erfordert, dass sich Prüfarzt und Prüfpersonal als ein Team zusammen mit den Patienten und ihren Angehörigen sehen. Das wichtigste Gebot ist der Schutz des Patienten. Die Zusammenarbeit basiert auf dem Einverständnis des Patienten, das auf gegenseitigem Vertrauen, Transparenz und Ehrlichkeit beruht. Der Patient ist der wahre Held der Prüfung war die entscheidende Aussage.

 

Die Aussprache zwischen Patient, Angehöriger und Auditorium gab eine guten Einblick in die Motivation, die Erfahrungen und die Hoffnungen des Patienten und seiner Angehörigen. 

 

Von Prof. Gerfried Nell; GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 05. Juni 2014 – “Real World Evidence und Non-Interventional Studies“

Die aktuelle Fortbildungsveranstaltung der GPMed befasste sich diesmal mit der immer lauter werdenden Forderung nach „real world data“ im Gegensatz zu den Daten, die durch randomisierte kontrollierte klinischen Studien gewonnen werden.

 

 

Der Grund dafür liegt darin, dass in klinischen Studien nur ein Bruchteil der Patienten eingeschlossen, engmaschig kontrolliert und betreut wird. Der Patient im Alltag dagegen hat mit vielen Einflüssen zu kämpfen wodurch die „effectiveness“ des Medikamentes meist von der biologischen Wirksamkeit, der efficacy, die in klinischen Studien gezeigt wurde, weit abweicht.

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Was bedeutet „real world evidence“? Was ist die wirkliche Welt? Mit diesem Thema beschäftigte sich A.o. Univ. Prof. Dr. Harald Herkner. Die biologische Wirksamkeit beantwortet die Frage „kann es wirken?“, wohingegen die effectiveness beschreibt, ob ein Medikament tatsächlich wirkt.

 

 

Der Weg eines Medikamentes vom Arztgespräch bis zur tatsächlichen Wirkung ist lange. Im Gegensatz zur Studie haben im Klinik- und Patientenalltag Faktoren wie Zeitmangel, Abweichung von der Routine, Altersdurchschnitt einen großen Einfluss. Diesen Efficacy – Effektiveness Gap gilt es zu überwinden.

 

Univ. Doz. Dr. Martin Brunner griff das Thema aus der Sicht der Ethikkommision auf. Die nicht-interventionellen Studien sind genau auf diesen Efficacy – Effectiveness Gap ausgerichtet und versuchen diese Datenlücke zu schließen.

 

Die Herausforderungen aus Sicht der pharmazeutischen Industrie wurden von Priv. Doz. Dr. Roman Fleischhackl beleuchtet. Dazu gehört die Sammlung von sehr großen Datenmengen, für die zusätzliche Manpower und Knowhow gebraucht werden. Dies sei aber wichtig, um einerseits konkurrenzfähig zu bleiben und zum anderen aber auch die Erstattung zu erlangen bzw. zu behalten.

 

Die Erstattungspraxis griff Priv. Doz. Dr. Robert Sauermann  vom Hauptverband d. ÖSVT auf und ging auf die Erwartungen der Sozialversicherungen an „real world evidence“ ein. Real world data könnten demnach einen zusätzlichen therapeutischen Nutzen bestätigen, der Einfluss auf die Preisbildung hätte.

 

Auch das Modell einer schrittweisen Zulassung, die an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, sei eine Möglichkeit, die Datenlücke zwischen klinischen Studien und dem Alltag zu schließen, und damit dem Patienten noch sicherere Medikamente zur Verfügung zu stellen.

 

von Dr. Lilija Kircheis, GPMed

 

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Veranstaltungsbericht vom 20. März 2014 - Was macht eine App in meiner Studie?

Die aktuelle Fortbildungsveranstaltung der GPMed betrat für die Gesellschaft in gewisser Weise Neuland. Wo man sich sonst ausschließlich mit Arzneimitteln beschäftigt, wurde intensiv über neue Medien und Medizinprodukte diskutiert.

 

Der Grund dafür liegt in der rasend schnellen Entwicklung der neuen Medien mit Tablet PCs und Smartphones, die nicht nur den Alltag, sondern auch die medizinische Forschung schon längst eingeholt haben.

  (Vortragende und Vorstand)

 

Ein nicht untypischer technikaffiner Haushalt hat heute vermutlich mit dem Internet verbundene TV Geräte, über deren eingebaute Kameras nicht nur in der ganzen Welt Videoanrufe getätigt werden können, sondern die über minimalste Farbveränderungen der Haut den Puls des Zuschauers erfassen können. Die Personenwaage im Badezimmer übermittelt Gesundheitsdaten „wireless" ins Internet und Fitnessarmbänder und Schrittzähler dokumentieren gemeinsam mit der Elektrozahnbürste den Alltag.

 

Die Zukunft sieht noch digitaler aus. Firmen wie Google denken laut über Kontaktlinsen nach, die über eingebaute Chips aus der Tränenflüssigkeit eine Verlaufskontrolle im Diabetes anbieten wollen.

 

Vielleicht sammeln in wenigen Jahren unsere Kleidungsstücke und gewöhnlicher Hausrat mehr Daten über unseren Gesundheitszustand, als unser Hausarzt.

Es liegt da ganz nahe, zu überlegen, ob und wie man diese Daten zum Beispiel im Rahmen einer NIS oder klinischen Prüfung als Surrogat oder Outcome verwerten könnte – in der Tat gibt es sowohl in der Akademie, als auch in der Industrie schon viele Bestrebungen in diese Richtung.

 

Damit beginnt sich der Bereich Arzneimittelstudie immer mehr mit „Devices" zu überschneiden. Doch wann ist ein „device" ein Medizinprodukt? Es muss ja nicht zwingend ein komplexes Gerät wie eine Kontaktlinse mit Sensor sein. Ein Device kann heute auch schon eine „vermeintlich simple" App sein.

 

Apps und Devices können aber nicht nur Hilfsmittel in der Forschung darstellen. Sie können auch dazu bestimmt sein, Krankheit und Therapie beeinflussen und werden damit selbst zum Objekt von Studien.

 

Um ein wenig Licht in diese komplexe und vielschichtige neue Thematik zu bringen, hat zu Beginn Herr DI Guggenbichler, BASG/AGES, Abteilung Medizinprodukte Marktüberwachung in einem äußerst kurzweiligen Vortrag die rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert und zum einen oder anderen „Aha"-Erlebnis beigetragen.

 

Ines Windisch, MBA, Director External Relations und Communication bei Sanofi hat daraufhin ausgeführt, warum es in der heutigen Zeit trotz aller Hürden wichtig ist, sich diesen Themen nicht zu verschließen. Es wurde dem Publikum dabei auch anschaulich vor Augen geführt, dass die Entwicklung vor allem von Apps als Medizinprodukten nur mit professionellen Partnern durchgeführt werden kann.

 

Fredrik Debong, Geschäftsführer der mySugr GmbH und Dr.med. Julia Mader vom LKH Graz rundeten das Thema schließlich mit anschaulichen Praxisbeispielen von Apps für Arzt und Patient im Diabetes ab und gaben einen Einblick in die Entwicklung und sinnvolle Anwendung.

 

Die rege Diskussion mit den Referenten zum Abschluss verdeutlichte vor allem eines: Neue Medien als Werkzeug aber auch Objekt der medizinischen Forschung stehen gerade einmal am Anfang einer voraussichtlich weitreichenden Entwicklung. Es wird nun wichtig sein, die entsprechende Expertise aufzubauen, um sicherzustellen, dass die entsprechenden Regularien auch korrekt angewendet werden.

 

Die Vortragsslides der Sprecher finden sich wie gewohnt im Mitgliedsteil der Homepage zur Ansicht und zum Download. 

 

Von Dr. Christian Baumgartner, GPMed Verantwortlicher für Kommunikation

 

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VERANSTALTUNGSBERICHT VOM 28. November 2013

Die Veranstaltung am 28.11.2013 stand ganz im Zeichen der derzeit in Diskussion befindlichen Clinical Trial Regulation.


Frau Dr. Ilona Reischl von der AGES hielt vor über 100 Zuhörern aus Industrie und Akademie einen spannenden und erfrischend offenen Vortrag.




(Foto: Auditorium)























(Foto: Frau Dr. Reischl)



Was mit vermeintlichen 'Basics' wie dem feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen Directive und Regulation begann (Erstere wurde in den Mitgliedstaaten interpretiert und in nationales Gesetz implementiert, Letztere wird 1:1 überall einheitlich umgesetzt werden), führte letztlich wie eine Hochschaubahn der Gefühle über Timelines (zu knapp?) und Definitionen wie Low Risk Trials (zu breit?) zum einheitlichen IT Portal (sicher und verlässlich?) und Datentransparenz (wieviel ist zu viel?)


Im Anschluss diskutierten unter der Moderation von Prof. Markus Zeitlinger von der GPMed: Vizerektor der MUW Prof. Markus Müller, Leiter der Ethikkommission der MUW, Prof. Ernst Singer, Vizepräsident der GPMed Dr. Wolfgang Bonitz und Frau Dr. Reischl darüber, ob die geplante Regulation nun die lange geforderte Erleichterung für Akademie und Industrie bringen könnte, oder doch eher den letzten Sargnagel für Innovation und klinische Forschung in Österreich bedeuten würde.






















(Foto: Diskutanten)

 


Akademie und Industrie waren sich einig, dass ein Schulterschluss im Sinne der Behörden, um ausreichend Zeit für die Begutachtung von klinischen Studien zu geben, nötig wäre. Auch das Portal, über das alle Einreichungen und auch jegliche Korrespondenz laufen soll, versetzte alle Diskutanten in Sorge.

Prof. Singer sah der Zukunft optimistisch entgegen, da vor allem für monozentrische akademische Studien nun doch einige bedeutende Erleichterungen bevorstehen könnten.

Eine konkrete Zeitlinie ist jedenfalls noch nicht fixiert. Finalisierung der Regulation seitens der EMA ist wohl jedenfalls noch in dieser Legislaturperiode angestrebt. Danach können wir mit einer Realisierung ab 2016 rechnen.






(Foto: Vorstand und Diskutanten)


Für GPMed Mitglieder stellen wir im Archiv den ungekürzten Vortrag (download Vortrag im Mitgliedsbereich), sowie ein GPMed Interview zum Thema aus dem aktuellen CliniCum zur Verfügung.

Von Dr. Christian Baumgartner


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VERANSTALTUNGSBERICHT VOM 19. September 2013

 
 vlnr: Sarx, Zeitlinger, Hönel, Doby, Steinhart, Hommer, Bonitz, Pietschmann

 

                       

19.9.2013 - Klinische Entwicklung von Arzneimitteln in Österreich – Biotech meets Big Pharma

 

Am 19. September 2013 fanden sich gut 100 Interessierte aus Industrie und Klinik zur GPMed Veranstaltung „Klinische Entwicklung von Arzneimitteln in Österreich – Biotech meets Big Pharma“ im Wiener AKH ein. Dieses spannende Seminar war in Kooperation mit LISAvienna zustande gekommen und widmete sich intensiv der Entwicklung in Österreich.

Dieser Blickwinkel wurde schon in der Vorstellung der beiden Veranstalter klar. Dagmar Doby, Präsidentin der GPMed betonte die Wichtigkeit des Engagements zur Sicherung und zum Ausbau des Forschungsstandorts Österreich. Klinische Forschung bedeute eine hohe Wertschöpfung und ermögliche indirekt überhaupt erst die akademische Forschung, die zu großen Teilen aus Drittmitteln finanziert wird. Gerade am Biotech-Standort Österreich seien jedoch noch weitere Investitionen nötig. Die GPMed, so führte sie aus, trägt mit ihren Fortbildungsveranstaltungen intensiv zur Weiterentwicklung bei. Jährlich werden hier an die 400 Teilnehmer registriert. Zudem bietet die GPMed mit Ihrem Web Netzwerk eine professionelle Plattform für Studienzentren, sowie auch eine Möglichkeit rasch und effizient den richtigen Dienstleister für die jeweilige Herausforderung zu finden.

Im Anschluss stellte Johannes Sarx, Geschäftsführer von LISAvienna (Life Science Austria Vienna) seine Organisation und Ziele vor.  Mit den Kernaktivitäten Beratung, Marketing, Qualifizierung, Networking und Knowledge soll die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Wien im Bereich Biotech noch weiter ausgebaut werden.

Den frühen Höhepunkt des Programms stellte die Verleihung des in Kooperation zwischen der AGES und der GPMed entstandenen „Best Inspectee Award“ dar. DDr. Alexander Hönel, Leiter Institut Inspektionen, Medizinprodukte & Hämovigilanz, hob hervor, dass die Perzeption von Inspektionen sich häufig auf Mängelberichte beschränkt. Tatsächlich sei es aber sein Anliegen, auch positive Errungenschaften hervorzuheben. Der Auswahl des „Best Inspectee“ lagen mehrere Faktoren zu Grunde. Aus allen Inspektionen des Kalenderjahres 2012 wurden Mängel quantitativ und qualitativ, der Erfolg und die Kenntnisse sowie die Organisation an der Prüfstelle, aber auch der professionelle Umgang mit Inspektionen beurteilt. Der Award wurde schließlich gemeinsam an den Gewinner, OA Dr. Anton Hommer verliehen. Bezeichnend war auch dessen kurze Rede: Der Erfolg gehöre nicht ihm allein, sondern einem ganzen Team, denn ohne die Zusammenarbeit und Arbeitsteilung wären klinische Prüfungen einfach nicht machbar.

Nicht weniger interessant war der Vortrag von Dr. Pietschmann, der sich bei Apeptico für die klinische Entwicklung verantwortlich zeichnet. Er führte aus, wie wichtig Flexibilität für ein kleines Team, das alle Schritte der klinischen Entwicklung durchführt, sei. Von der Herstellung über die Suche nach den geeigneten Partnern wie CRO oder KKS, dem geeigneten Testsetting und der wissenschaftlichen Beratung durch die AGES seien die Aufgaben und Herausforderungen mannigfaltig.

Den Abschluss machte Dr. Steinhart, Medical Director von Roche. Sein Vortrag deckte die Herausforderungen in den komplexen Systemen und Strukturen eines großen international tätigen Konzerns ab. Insbesondere wies er darauf hin, dass Misserfolge ein Teil des Erfolgs seien. Einstellung von Produktentwicklungen auch noch in Phase III sei bitter aber nicht zu vermeiden. Es sei immer ein unbekanntes Risiko, auf die richtigen Substanzen zu setzen.

Die Vortragsslides der Sprecher finden sich wie gewohnt im Mitgliedsteil der Homepage zur Ansicht und zum Download.

 

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Veranstaltungsbericht vom 06. Juni 2013 Veranstaltungsbericht -
"Klinische Forschung in Österreich und Europa: Quo vadis?" 06.06.2013 - Zeit 15:00-18:00, AKH Wien, Hörsaal 2

 GPMed Veranstaltung

 

Am 06. Juni begrüßten Frau Dr. Doby und Herr Prof. Zeitlinger über 70 Teilnehmer aus Industrie, Akademie sowie der Behörde (AGES Medizinmarktaufsicht) zu einer weiteren GPMed-Veranstaltung zum Thema "Klinische Forschung in Österreich und Europa: Quo vadis?"“ an der Med Uni Wien/AKH.

Nach einer Einführung durch Herrn Prof. Dr. Markus Müller, Vizerektor für Forschung der MedUni Wien und Leiter der Univ. Klinik für Klinische Pharmakologie, zum Stand der Klinischen Forschung in Österreich, präsentierte Frau Dr. Beselin, Eli Lilly Österreich, Auszüge aus ihrer Masterarbeit der Universität Duisburg-Essen, in welcher sie sich mit dem Status und den Herausforderungen der Klinischen Forschung in Österreich beschäftigte und mögliche Initiativen zur Sicherung des Forschungsstandortes aufzeigte. Die Arbeit stellt eine erste wissenschaftliche Publikation zum Thema und eine umfassende Sammlung der derzeit vorliegenden Daten und Fakten dar.

GPMed Veranstaltung

Herr Dr. Vancayzeele, Präsident der Belgischen Medizinischen Fachgesellschafft BeAPP, CSO von Novartis Belgien und Head Cluster Western Europe, berichtete im Anschluss über die Situation der Klinischen Forschung in Belgien. Ähnlich wie in Österreich steht diese wachsenden Herausforderungen  gegenüber, weshalb bereits verschiedene Strategien zur Stärkung der Klinischen Forschung in Belgien entwickelt wurden.

Wie mittels Facebook und Internet Patienten erfolgreich für klinische Prüfungen rekrutiert werden können, zeigte Herr Dr. Drews, Medical Director von Clariness GmbH.

Zum Schluss kündigten Herr Mag. DDr. Hönel, BASG/AGES Medizinmarktaufsicht und Herr Dr. Bonitz, Vizepräsident der GPMed einen  „AGES Best Inspectee 2012: Site Award“ an, welcher bei der nächsten GPMed Veranstaltung nach der Sommerpause erstmalig vergeben wird und in Europa bisher eine einzigartige Initiative darstellt.

 


Dezember 2012 - Neue Homepage


Warum ein Redesign? Einerseits wollten wir den für Sie nicht sichtbaren technischen Teil im Hintergrund auf ein zeitgemäßes Niveau bringen,  was für Sie in schnelleren Zugriffszeiten und besserer Darstellung resultiert, und wir wollten Ihnen auch ein ansprechenderes Design mit einer komfortableren Benutzerführung anbieten – wir hoffen, dass es Ihnen gefällt.  Andererseits wollten wir Ihnen aber auch zusätzliche Funktionen anbieten: Im Bereich Netzwerk finden Sie eine durchsuchbare Datenbank mit Prüfzentren, in der  sich die wichtigsten Informationen im Sinn einer Site Feasibility leicht abrufen lassen. Wenn Sie sich als Zentrum hier präsentieren wollen, kontaktieren Sie uns bitte über folgenden Link.  

Weiters finden Sie einen Bereich mit Serviceanbietern auf dem Gebiet der klinischen Prüfung – stöbern Sie einfach unter Dienstleister, vielleicht ist gerade die Dienstleistung, die Sie benötigen dort angeführt. Wenn Sie GPMed Mitglied sind, möchten wir Sie auch in die für Mitglieder reservierte Zone bitten, dort finden Sie unter anderem ein Archiv mit Unterlagen zu den früheren Veranstaltungen sowie Kontakdaten der Vorstandsmitglieder. Last but not least, werfen Sie doch einen Blick auf unseren Twitter Feed, den Sie am rechten Bildschirmrand verfolgen können, oder noch besser folgend Sie uns unter @GPMed direkt auf Twitter, damit Sie keine wichtige Neuigkeit mehr versäumen.


Mit dieser unserer neuen Homepage  möchten wir eine innovative und unabhängige Kommunikationsplattform im Bereich der Klinischen Forschung schaffen. Mehr Klinische Studien in Österreich bedeutet, mehr Know-How und Erfahrung, sowie auch mehr Investment unser Land. Je besser die Bedingungen für klinische Forschung in Österreich sind, desto eher wird uns das gelingen. Für uns als Gesellschaft ist das in vielerlei Hinsicht sehr wertvoll, spürbar wird es für jeden von uns besonders dann, wenn wir selbst von einer Erkrankung betroffen sind und  uns die bestmöglichste Behandlung wünschen.


In diesem Sinn hoffen wir, einen weiteren Beitrag zur Sicherung und zum Ausbau der Klinischen Forschung in Österreich geleistet zu haben und sind gespannt auf Ihr Feedback!


Viel Freude beim Surfen wünscht Ihnen das GPMed Vorstandsteam!

 

 

 

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